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Soccer Economics · Borussia Dortmund · Saison 2023-24

Akte BVB — Club-Dossier Borussia Dortmund

Borussia Dortmund auf einen Blick: Eigenkapital 327,0 Mio € (EK-Quote 55,5%). Personalquote 44,7%. Jahresüberschuss 44,3 Mio €. Financial Stability Score: 68/100 🟡.

68
von 100

Financial Stability Score

EK-Quote 55,5%Personalquote 44,7%
🟢 Liga-Platz 2 von 18 (Ø 58/100)

Bilanziell noch solide (EK 327 Mio €), aber die Quartalszahlen zeigen eine klare Abwärtsdynamik: Personalkosten steigen (+9,5%), Prognose für GJ 2025-26 auf Verlust gesenkt (-12 bis -22 Mio €), EK-Quote fällt Richtung 50%. Das „Talentfabrik-Modell" funktioniert nur bei regelmäßigen Star-Verkäufen — ohne Gittens-Transfer wäre H1 2025-26 tiefrot. Der BVB verdient operativ kein Geld und ist existenziell von CL-Teilnahme und Transfererlösen abhängig.

01

DFL-Lizenz-Compliance

🟢 Alle Kriterien erfüllt
Eigenkapital
327,0 Mio €
Höchstes der Liga
EK-Quote
55,5%
Liga-Ø: 34%
Verbindlichkeiten
40,9%
Liga-Ø: 47%
Jahresüberschuss
+44,3 Mio €

Der BVB erfüllt alle DFL-Lizenzkriterien. EK-Quote 55,5% liegt deutlich über dem Liga-Durchschnitt (34,1%). Verbindlichkeiten-Quote 40,9% ist unter 50%. Als börsennotierter Verein unterliegt der BVB zusätzlichen Transparenzpflichten, die die Bilanzdisziplin stärken.

02

Eigenkapital-Röntgen

Spielervermögen (Buchwert)
220 Mio €
Anschaffungskosten minus Abschreibung
Kader-Marktwert
510 Mio €
SportMonks / transfermarkt.de
Buchwert vs. Marktwert — Stille Reserven: 290 Mio €
Buchwert 220 Mio
Stille Reserven 290 Mio

Moderates Repricing-Risiko: Einige hochbezahlte Spieler (Süle, Can) mit auslaufenden Verträgen und sinkenden Marktwerten. Dem stehen erhebliche stille Reserven bei Adeyemi, Schlotterbeck und Nmecha gegenüber. Die Kaderwert-Entwicklung von 438 auf 500 Mio € (Herbst 2025) zeigt positive Tendenz.

SpielerBuchwertMarktwertStille Reserve
Karim Adeyemi18,0 Mio60 Mio+42,0 Mio
Nico Schlotterbeck8,0 Mio55 Mio+47,0 Mio
Felix Nmecha18,0 Mio45 Mio+27,0 Mio

Buchwerte geschätzt: Transfersumme / Vertragslaufzeit × verbleibende Jahre. Eigene Jugend ≈ Ausbildungskosten.

03

Personalquote

Personalaufwand
268,5 Mio €
Rohergebnis (≈Umsatz)
600,6 Mio €
Personalquote
44,7%
Liga-Ø: 48% · UEFA-Empfehlung: <70%

Personalquote BVB: 44,7% (Personalaufwand 268,5 Mio € bei Rohergebnis 600,6 Mio €). Liga-Durchschnitt: 48%. UEFA empfiehlt maximal 70%. Spielervermittler-Vergütung: 36,6 Mio €.

04

Transferbilanz (5 Jahre)

Saison Ausgaben Einnahmen Netto
2025-26 100,0 Mio 76,0 Mio -24,0 Mio
2024-25 95,0 Mio 64,0 Mio -31,0 Mio
2023-24 66,0 Mio 113,0 Mio +47,0 Mio
2022-23 86,0 Mio 95,0 Mio +9,0 Mio
2021-22 55,0 Mio 95,0 Mio +40,0 Mio
5-Jahres-Saldo 402,0 Mio 443,0 Mio +41,0 Mio

Transferbilanz 5 Jahre:41,0 Mio € netto. EK-Polster: 327,0 Mio €.

05

Umsatzstruktur

Sponsoring
41,6%
250 Mio €
Spielbetrieb
8,8%
53 Mio €
TV / Medien
34,3%
206 Mio €
Transfers + Sonst.
23,4%
141 Mio €

Mäßig diversifiziert — hohe Abhängigkeit von Sponsoring (42%) und TV (34%).

06

Im Liga-Vergleich

EK-Ranking
Platz 2
327 Mio € · Zweiter: undefined
Umsatz-Ranking
Platz 2
601 Mio € · Zweiter: undefined
Personalquote-Ranking
Platz 6
44,7% · Bester: Freiburg (38,7%)
07

Quarterly Pulse

Quarterly Pulse — Leading Indicator

2025-26 (01.07.2025 - 30.06.2026) · Stand 2026-02-26

Leading Indicator: Nur beim BVB verfügbar (einziger börsennotierter Bundesligist). Quartalszahlen nach IFRS, Ad-hoc-pflichtig.

01.07.2025 - 31.12.2025
Kennzahl aktuell Vorjahr Δ
Umsatz 246,4 M€ 244,5 M€ +0,8 %
EBITDA 81,7 M€ 58,7 M€ +39,2 %
EBT 23,2 M€ 8,8 M€ +163,6 %
Konzernergebnis 18,7 M€ 7,7 M€ +142,9 %
Transferergebnis 54,9 M€ 22,2 M€ +147,3 %
Personalaufwand 129,3 M€ 118,1 M€ +9,5 %
Abschreibungen 57,7 M€ 49,6 M€ +16,3 %
Prognose Geschäftsjahr 2026-02-26

Anlass: CL-Playoff-Aus (25.02.2026)

vorher -5 bis +5 Mio € Konzernergebnis
aktuell -12 bis -22 Mio € Konzernjahresfehlbetrag

Erster Jahresverlust seit der Corona-Saison. CL-Aus kostet geschätzt 20-30 Mio € an TV/Prämien. Ohne den Gittens-Transfer (54,9 Mio Ergebnis in H1) wäre schon das Halbjahr tiefrot.

Diagnose

Bilanz = lagging, Quartalsdaten = leading — die Schere geht auf

Die DFL-Bilanz (30.06.2024) zeigt 327 Mio EK und 55,5% EK-Quote. Aber seitdem: EK-Quote schon auf 53% gefallen (30.06.2025), Personalkosten steigen (+9,5% in H1), und für GJ 2025-26 wird ein Verlust von 12-22 Mio € erwartet. Die EK-Quote wird zum 30.06.2026 voraussichtlich unter 50% fallen.

Personalkosten-Falle: Personalkosten in H1 bereits 129,3 Mio € (+9,5% vs. VJ), hochgerechnet auf Ganzjahr ~260 Mio €. Bei ~490-510 Mio € Umsatz (ohne Transfers) ergibt das eine reale Personalquote von über 50% — deutlich schlechter als die 44,7% aus der DFL-Bilanz.

Transferabhängigkeit: H1-Ergebnis wurde komplett durch den Gittens-Transfer gerettet (54,9 Mio Transferergebnis). Ohne Transfers: operativer Verlust. Das bestätigt: Der BVB verdient operativ kein Geld.

Ausblick & Risiken

  • EK-Quote fällt Richtung 50% — DFL-Lizenz-Schwelle rückt näher
  • Keine großen Verkäufe für H2 in Sicht — Adeyemi-Abgang erst im Sommer
  • Personalkosten steigen trotz Sparrhetorik — auslaufende Hochverdiener (Brandt, Süle, Can, Groß) entlasten erst ab Sommer 2026
  • Nächste Saison ohne CL? Dann fehlen 50-80 Mio € TV-Erlöse
08

Strukturausblick

Strukturausblick — Drei Säulen

Stand 2026-04-08

Makro-Leading-Indicators für die drei Erlössäulen. Unique Content für Akte BVB.

🟡

TV / Medien

flat

DFL-Vertrag 2025-29: 1,121 Mrd €/Saison (+2% nominal vs. Vorzyklus). Real negativ nach Inflation. Bis 2029 eingelockt — kein Upside. BVB-Anteil national stabil (~84 Mio €), aber CL-Erlöse schwanken stark (2023-24: 120 Mio € dank Finale, 2024-25: ~34 Mio €). Ohne CL-Teilnahme fallen geschätzt 50-80 Mio € weg.

Risiko: CL-Qualifikation ist der einzige Hebel. Nationale TV-Erlöse sind ein Nullsummenspiel.

🟡

Sponsoring & Werbung

unter_druck

BVB-Werbeerlöse GJ 2023-24: ~250 Mio € (inkl. CL-Prämien). Neue Partner (Polestar bis 2028, REWE bis 2030, Konami bis 2028) sichern Grundniveau. Aber: Prämienanteil hängt an sportlichem Erfolg, und deutsche Konjunkturschwäche drückt auf Neuakquise und Verlängerungen. Hospitality läuft gut (81.365 Dauerkarten), Merchandising stagniert.

Risiko: Sponsoring-Erlöse sind pro-zyklisch. Bei sportlicher Schwäche + schwacher Konjunktur doppelter Druck.

🔴

Transfers

strukturbruch

BVBs Geschäftsmodell ('Talentfabrik') hängt an PL-Kaufkraft. Drei Mega-Sales der letzten 5 Jahre (Bellingham 103M, Sancho 85M, Haaland 75M, Gittens 56M) gingen alle an PL-Clubs. Neuer Strukturbruch: PL Squad Cost Ratio (85% der Einnahmen für Kader ab 2026/27) + UEFA 70%-Cap für CL-Clubs. Das begrenzt strukturell, was PL-Clubs für Bundesliga-Spieler bieten können. Gleichzeitig steigen Berater-Provisionen und Handgelder weiter.

Risiko: Das 'Talentfabrik'-Modell ist der Kern des BVB-Geschäftsmodells. Wenn PL-Kaufkraft strukturell gedeckelt wird, sinkt der Wert des gesamten BVB-Kaders.

regel
Ab 2026/27: PL-Clubs dürfen max. 85% der operativen Einnahmen für Gehälter, Transfers, Berater ausgeben
uefa_cap
CL-Clubs: max. 70% der fußballbezogenen Einnahmen
abstimmung
14 von 20 PL-Clubs stimmten dafür (Nov 2025)
konsequenz_fuer_bvb
Weniger Inflation bei PL-Transfers → geringere Ablösesummen für Bundesliga-Spieler → BVBs Transfermodell unter Druck. Die nächsten Adeyemi/Schlotterbeck-Verkäufe werden möglicherweise weniger einbringen als erwartet.
Gesamtbild: Alle drei Erlössäulen stehen unter Druck: TV flat (real negativ), Sponsoring konjunkturabhängig, Transfers vor Strukturbruch durch PL-Ausgabendeckel. Das Fenster hoher Transfererlöse, das den BVB in den letzten 5 Jahren getragen hat, könnte sich schließen. Die Bilanz (EK 327 Mio €) reflektiert die goldene Ära — die Quartalszahlen zeigen bereits die Wende.
09

Risikoprofil

Risikoprofil

Leading Indicators

  • 🔴 Quartalsberichte (IFRS)

    H1 2025-26: PK +9,5%, Prognose auf Verlust gesenkt (-12 bis -22 Mio). Einziger börsennotierter BL-Club — Echtzeit-Transparenz.

  • 🔴 Transferbudget

    Sommer 2026 nur 25-40 Mio trotz CL + Klub-WM. Zeigt: Erlöse werden von PK aufgefressen.

  • 🟡 Vertragssituation Kader

    7 Verträge liefen Sommer 2026 aus (Brandt, Süle, Can, Groß, Özcan, Meyer, Reyna). Entlastet PK, aber: Qualitätsverlust ohne Ersatzinvestitionen.

Strukturrisiken

  • Talentfabrik-Abhängigkeit Schwere: hoch

    Geschäftsmodell braucht alle 1-2 Jahre einen 80M+ Verkauf an PL-Clubs. Ohne: operativer Verlust.

  • CL-Abhängigkeit Schwere: hoch

    Ohne CL-Qualifikation fehlen 50-80 Mio TV/Prämien. Unterschied zwischen Gewinn und signifikantem Verlust.

  • Gehaltsrigidität Schwere: mittel

    268 Mio PK bei 526 Mio Umsatz (51% reale PK-Quote). Langfristige Verträge mit Hochverdienern bremsen Anpassung.

Black Swan Szenarien

  • PL Transfer-Deflation durch Private Credit Bust
    Wahrscheinlichkeit: mittel Impact: sehr hoch

    Blue Owl -68%, BDC-Markt in Kontraktion. PE-finanzierte PL-Clubs (Chelsea/Clearlake, Man City/Silver Lake) unter Druck. PL Squad Cost Ratio 85% ab 2026-27 deckelt zusätzlich. Wenn PL-Kaufkraft strukturell sinkt, bricht BVBs Kerngeschäftsmodell.

    closelook.net/weekly/bvb-minsky-moment (in Vorbereitung)

  • Verpasste CL-Quali + kein Star-Verkauf
    Wahrscheinlichkeit: niedrig-mittel Impact: hoch

    Kombination aus: keine CL 2026-27 (-50-80M) + Adeyemi-Abgang unter Marktwert oder Verlängerung statt Verkauf = Verlust von 30-50 Mio, EK-Quote unter 50%.

Fazit: Die DFL-Bilanz zeigt einen finanziell soliden Club. Die Leading Indicators zeigen einen Club in der Ergebniswende. Die Strukturrisiken zeigen ein Geschäftsmodell, das auf Fortschreibung von Transferinflation und CL-Teilnahme gebaut ist. Der Black Swan — ein Private-Credit-getriebener Rückgang der PL-Kaufkraft — würde nicht nur den BVB treffen, sondern das gesamte Bundesliga-Exportmodell.
Buchwert vs. Marktwert über 4 Jahre
0 40 80 120 160 01234 Jahre Mio €
  • Buchwert (Bilanz, linear)
  • Marktwert junger Spieler (20-Jähriger)
  • Marktwert älterer Spieler (29-Jähriger)

Die Schere zwischen Buchwert (linear) und Marktwert (nicht-linear) ist das eigentliche Risiko. Bei jungen Spielern öffnet sie sich nach oben — bei älteren nach unten.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist das Eigenkapital von Borussia Dortmund?
Das Eigenkapital lag zum 30.06.2024 bei 327 Mio € (Konzern). Das ist der zweithöchste Wert aller 18 Bundesligisten nach Bayern (570 Mio €). Die EK-Quote beträgt 55,5%.
Ist der BVB profitabel?
Eingeschränkt. Im GJ 2023-24 betrug der Konzerngewinn 44,3 Mio € — begünstigt durch den CL-Finaleinzug und hohe Transfererlöse. Im GJ 2024-25 brach er auf nur 6,5 Mio € ein (bei Rekordumsatz 526 Mio €). Das zeigt: Der BVB verdient operativ kaum Geld — das Ergebnis hängt an CL-Runden und Spielerverkäufen.
Wie erfolgreich ist der BVB auf dem Transfermarkt?
Historisch sehr erfolgreich — Bellingham (103 Mio €), Sancho (85 Mio €), Haaland (75 Mio €), Gittens (56 Mio €). Die 5-Jahres-Bilanz ist mit +41 Mio € positiv. Aber: Ohne diese vier Mega-Deals wäre sie deutlich negativ. Das Modell braucht regelmäßig einen Star-Verkauf, um den hohen Personalaufwand (268 Mio €) zu finanzieren. Transferbudget Sommer 2026: nur 25-40 Mio €.
Hat der BVB versteckte Werte in der Bilanz?
Ja. Der geschätzte Kader-Buchwert liegt bei ca. 220 Mio €, der Marktwert bei ca. 510 Mio €. Die Differenz (290 Mio € stille Reserven) resultiert vor allem aus Marktwert-Steigerungen bei Adeyemi (60 Mio €), Schlotterbeck (55 Mio €) und Nmecha (45 Mio €).
Erfüllt der BVB die DFL-Lizenzanforderungen?
Ja, komfortabel. Positives EK, EK-Quote über 30%, Verbindlichkeiten unter 50%. Als börsennotiertes Unternehmen unterliegt der BVB zusätzlichen Transparenz- und Berichtspflichten.
Warum muss der BVB trotz Rekordumsatz sparen?
Weil die Personalkosten (268 Mio €, davon ~200 Mio Spielergehälter) fast den gesamten Umsatz auffressen. Die Gehaltsstruktur wurde über Jahre aufgebläht (Süle ~11 Mio/Jahr, Brandt, Can als Hochverdiener). Selbst CL-Einnahmen und Klub-WM-Erlöse (~50 Mio) reichen nicht für großes Transferbudget. Der BVB muss erst Gehälter abbauen (mehrere Verträge laufen 2026 aus), bevor wieder investiert werden kann.
Datenquelle: DFL Finanzkennzahlen 2025 (GJ 2023-24) · transfermarkt.de (Transferbilanz) · SportMonks (Kader-Marktwert). Buchwerte geschätzt. Keine Anlageberatung. Stand: 2026-04-08.