Die BVB Prognose

Akte BVB 09

Die Metamorphose der westfälischen Trainer-Schleuder. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zu Borussia Dortmund.

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Borussia Dortmund
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE BVB" richtet sich an Lover und Hater der Borussen. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Die Metamorphose der westfälischen Trainer-Schleuder. Champions-League-Sieger 1997, Fast-Insolvenz 2005, Klopps Wunder ab 2008. Borussia Dortmund ist der ewige Herausforderer des FC Bayern — mit der gelben Wand, 81.000 im Signal Iduna Park und einer Leidenschaft, die ihresgleichen sucht. Hummels, Reus, Götze — der BVB formt Stars und verliert sie an die Konkurrenz. Aber die Südtribüne steht immer.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte BVB ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte BVB ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund (Borussia Dortmund, BVB) ist einer der erfolgreichsten Fußballvereine Deutschlands. Der Verein gewinnt bis zum Ende des Jahres 2019 insgesamt acht deutsche Meisterschaften (zuletzt 2012) und viermal den DFB-Pokal. Im nationalen Pokalwettbewerb datiert der letzte Erfolg aus dem Jahr 2017 (Stand: Dezember 2019).

Der BVB ist 1966 der erste deutsche Europapokalsieger überhaupt und belegt in der ewigen Tabelle der Bundesliga den 2. Platz auf Basis von tatsächlich erzielten Punkten (Stand: Dezember 2019). Seit der Spielzeit 1976/77 spielt Borussia Dortmund ununterbrochen in der Bundesliga und hat seit 1993 in vier weiteren europäischen Finals gestanden, zuletzt 2013.

Der Name „Borussia“ geht rein lexikalisch auf das alt-lateinische Wort für Preußen zurück. Der Signal Iduna Park (Westfalenstadion) mit einer Zuschauerkapazität von 81.360 Plätzen ist das größte reine Fußballstadion in Deutschland. Die 25.000 Zuschauern Platz bietende Südtribüne ist die größte Stehplatz-Tribüne Europas. In der Champions League dürfen nur 66.000 Zuschauer (reine Sitzplatz-Vorgabe) den Spielen beiwohnen.

Mit 155.244 Mitgliedern (Stand: 1. Dezember 2018) ist Borussia Dortmund der drittgrößte deutsche Sportverein und der fünftgrößte Sportverein weltweit. Seit November 1999 sind die Lizenzspielerabteilung, die zweite Profimannschaft und die A-Jugend in die Borussia Dortmund GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien ausgelagert.

Borussia Dortmund
Abb.1.7.1 Wachablösung im Revier: Borussia Dortmund feiert 1956 die erste Deutsche Meisterschaft seiner Klubgeschichte. Foto: Imago Images / Horstmüller Foto: Imago Images

Fan-Freundschaften unterhalten die in mehr als 850 offiziellen Fanclubs (Stand: November 2019) organisierten Anhänger von Borussia Dortmund seit den 1970-er Jahren mit Rot-Weiß Essen, seit dem ersten Aufeinandertreffen im UEFA-Pokal 1987 mit Celtic Glasgow und seit 1976 mit dem Hamburger SV (soll so sein!). Weitere, lose Freundschaften bestehen seit den 1990-er Jahren zum SC Freiburg und zum TSV 1860 München.

Die größte Fan-Rivalität besteht zu den Anhängern des FC Schalke 04. Diese Animosität gipfelt im sprachlichen Umgang darin, dass man den Namen des jeweiligen Rivalen mit „Lüdenscheid-Nord“ (für Dortmund) und „Herne-West“ (für Schalke) substituiert. Zudem werden der FC Bayern München und der VfL Bochum vom Dortmunder Anhang traditionell kalt verachtet, neuerdings auch RB Leipzig.

Das Vereinslied „Wir halten fest und treu zusammen“ wird im Stadion bei den Heimspielen von Borussia Dortmund seltener gespielt. Offizielle Stadion-Hymne ist „You’ll never walk alone“. Dass man diese Hymne, die der FC Liverpool in den Fußball eingeführt hat, vor dem ersten Aufeinandertreffen der Klubs in der Europa League im April 2016 gemeinsam intoniert, bringt den BVB-Fans den in diesem Jahr erstmals verliehenen FIFA-Fan-Award ein.

Zum 100. Vereinsgeburtstag am 19. Dezember 2009 wird der „Walk of Fame“ präsentiert. Der Gehweg thematisiert die Klub-Historie von Borussia Dortmund mit 100 Sternen. Diese sind über die Stadt verteilt und reichen zeitlich vom ersten offiziellen Spiel (1911) über die erste Westdeutsche Meisterschaft (1948), die Doppel-Meisterschaft 1956 und 1957 bis zur 100-Jahr-Feier. Der ursprüngliche „Walk of Fame“ ist seit 2012 mehrfach erweitert worden.

Good to Know

Was wenige wissen

Im Westen was Neues. Der BVB als klare Nummer 2 in der Bundesliga hinter dem FC Bayern München und neben dem Rekordmeister von der Isar der einzige „Global Player“ des deutschen Fußballs? Ein Fan-Magnet, eine Art Ersatzreligion in Schwarz und Gelb mit 80.000 Pilgern im Signal Iduna Park respektive Westfalenstadion an jedem zweiten Wochenende? Das war lange nicht so.

Besser gesagt: Es scheint lange undenkbar und ist erst durch mehrere, teilweise spektakuläre Wendungen in der Klubgeschichte so gekommen. Und nein, Borussia Dortmund ist auch lange kein „Traditionsverein“. Wenn in den ersten zehn Jahren nach Kriegsende Klischees des Ruhrpott-Fußballs gedroschen werden, dann sind der FC Schalke 04 mit seinen unsterblichen Helden Ernst Kuzorra und Fritz Szepan, Rot-Weiß Essen mit WM-Held Helmut „Erzähl mich dat Tor“ Rahn oder der MSV Duisburg mit „Riegel-Rudi“ Gutendorf fester Bestandteil der Folklore. Sie stehen für ein fußballkulturelles Phänomen.

Was wenige heute wissen: Einen nennenswerten Kult um Borussia Dortmund gibt es erst weit nach der Jahrtausendwende, als „a grandios Saison gespielt“ wird…Eine Entwicklung, die heute nicht mehr jedem bekannt ist. Die Anzeichen, dass sich im Fußball atmenden Ruhrgebiet nach dem verheerenden Krieg etwas ändert, deutet die Rhein-Ruhr-Zeitung in ihrer „Westdeutschen Fußball-Vorschau“ am 18. Mai 1947 richtig. „Schalke – oder doch Borussia?“, lautet die Schlagzeile, „sollte es stimmen, dass Borussia Dortmund in einem Endkampf eine Chance hat?“ Das ungläubige Staunen der Fachwelt ist nicht unbegründet. Borussia wer? Bis 1930 ist Borussia Dortmund drittklassig und muss sich mit Vereinen wie dem SV Langendreer 04 oder den Sportfreunden Dortmund messen. In den wirtschaftlich bewegten 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts hat der Verein erstmals große finanzielle Probleme. Heinz Schwaben, Direktor der Dortmunder Union-Brauerei, bürgt mit seinem Privatvermögen für den BVB. Unter der Führung von August Lenz, Dortmunds erstem deutschen Nationalspieler, gelingt erst 1936 der Sprung in die erstklassige „Gauliga“. Dort haftet dem BVB in der NS-Zeit der Ruf des „Mitläufers“ an, denn am Abonnement-Meister FC Schalke 04 mit seinem formidablen, modernen Kurzpass-Spiel („Schalker Kreisel“) kommt man nicht vorbei. Zwei Vizemeisterschaften (1938 und 1942) stehen als größte Erfolge zu Buche.

Dann die „Wende im Westen“, wie Hans Dieter Baroth 1989 in seinem Buch „Jungens, Euch gehört der Himmel – Die Geschichte der Oberliga West 1947 bis 1963“ schreibt, „am Montag gibt es keine Zeitungen mehr. Die Rhein-Ruhr-Zeitung meldet am 20. Mai 1947: Schalke nicht mehr Westfalenmeister (…) Die große Überraschung im westdeutschen Fußballsport bildet das 2:3 (1:0) von Schalke 04 vor 30.000 Zuschauern in Herne gegen Borussia Dortmund im Endspiel um die Westfalen-Fußball-Meisterschaft.“ Die Schalker sind dermaßen tief getroffen, dass sie die Siegerehrung schwänzen. In der Folgezeit festigt die Borussia die neu gewonnene Spitzenposition. Zwischen 1947 und 1950 holt sie sich viermal in Folge die westdeutsche Meisterschaft. Der Griff nach der Deutschen Meisterschale misslingt 1949 im Endspiel gegen den VfR Mannheim (noch), aber Borussia Dortmund ist auf dem Weg zur deutschen Spitzenmannschaft. Bis zur Einführung der Bundesliga (1963) wird man dreimal westdeutscher Meister, steht zwei weitere Male (1949 und 1961) im Endspiel. Vor allem aber: 1956 und 1957 holen die Schwarz-Gelben mit der gleichen Endspiel-Aufstellung – ein Novum im deutschen Fußball – den Meistertitel. Anfang der 1960-er Jahre hat Borussia mit Spielern wie Hans „Til“ Tilkowski, Helmut „Jockel“ Bracht, Reinhold „Zange“ Wosab, Wolfgang Paul, Alfred „Aki“ Schmidt, Dieter „Hoppy“ Kurrat, „Timo“ Konietzka oder Gerd Cyliax eine erfolgshungrige, eingespielte Truppe, die auch nach der Bundesliga-Gründung ihren Erfolgsweg weiter geht. 1965 wird Dortmund DFB-Pokalsieger und holt in Glasgow ein Jahr später gegen den hoch favorisierten FC Liverpool (2:1 n. V.) als erster deutscher Klub einen Europapokal. Die erste Meisterschaft in der Bundesliga wird wegen der Feierlichkeiten nach dem Triumph in Glasgow allerdings noch auf der Zielgeraden verspielt, man landet auf Rang zwei hinter 1860 München. Ein Knackpunkt.

Nach dem guten Bundesliga-Start ist der BVB nach dem Europacup-Erfolg zunächst ein „Team der Mittelklasse“: In den Jahren nach dem Triumpf gegen Liverpool und der Vizemeisterschaft gelingt es den Dortmundern nur 1967 noch einmal, im Meisterkampf mitzumischen (Platz 3). Die in die Jahre gekommenen Europacup-Helden können nicht mehr zulegen und 1969 wird mit Lothar Emmerich der überragende Torjäger nach einem weiteren Finanzengpass verkauft. Schon 1963 scheinen die goldenen Zeiten im „Pott“ dahin zu sein: „Die Final-Saison der Oberliga West hatte symbolischen Charakter“, so Baroth, „das Zechensterben hatte begonnen, Fördertürme sackten unter Sprengladungen zusammen.“16Auch Borussia Dortmund leidet ab dem Ende der 60-er Jahre unter diesem „Strukturwandel“, wie die Politiker diese Negativspirale gerne euphemistisch bezeichnen. Die Zuschauerzahlen gehen von über 26.000 (1966/67) auf 16.000 zurück (1971/72), auch wegen des Bundesligaskandals, in den der BVB gar nicht verwickelt ist. 1972 steigt der BVB erstmals aus der Bundesliga ab – und schlägt sich, da finanziell klamm, in der Regionalliga und in der 2. Bundesliga gerade so durch. Besonders schlimm für hartgesottene Borussen: 1974 kommt Schalke zu einem Benefizspiel…

Borussia Dortmund
Abb.1.7.2 26.09.1964: FC Schalke 04 vs. Borussia Dortmund 2:6. Lothar Emmerich, Reinhold Wosab und Timo Konietzka jubeln für den BVB. Foto: Imago Image /Horstmüller

Was heute auch gerne übersehen wird: Eine Trainerschleuder ist die westfälische Borussia aber schon lange vor dem Abstieg. Im Prinzip verliert Dortmund nach dem Abschied von Erfolgstrainer Willi „Fischken“ Multhaup 1966 die Kontinuität auf der Trainerposition. Bis zum Abstieg 1972 geben sich sechs Trainer in sechs Jahren im kleinen Stadion an der Roten Erde die Klinke in die Hand. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit versuchen sich ab 1972 insgesamt acht Coaches beim BVB. Begrenzt Erfolg hat nur der Essener Otto Rehhagel, der 1976 die Rückkehr in die Bundesliga schafft. Nach Rehhagels Entlassung zum 30. April 1978 folgen bis zur Schicksalswende 1986 noch mal 16 (!) Trainer in acht Jahren. Promis wie Udo Lattek, Karl-Heinz Feldkamp, Erich Ribbeck, Pal Csernai oder Branko Zebec – In Dortmund darf fast jeder einmal ran! Ein Tiefpunkt ist die Saison 1983/84, als mit Uli Maslo, Helmut Witte, Heinz-Dieter Tippenhauer und Horst Franz vier Trainer die Journalisten begrüßen. Tippenhauer wird nach nur zwei Spielen wieder auf seinen Managerposten geschoben und die Fans können im Westfalenstadion nur mühsam vom Erklettern des Gitterzauns abgehalten werden. Dem erst 34-jährigen Reinhard Saftig gelingt mit der Rettung über die Relegationsspiele 1986 die Wende.

Und überraschend: Dass das Borussen-Schiff aber wirklich in ruhige Fahrwasser gelangt, liegt an einem jungen Juristen, der im 1984 eingesetzten „Notvorstand“ um Dr. Reinhard Rauball als „Schattenmann“ fungiert und vor allem die wirtschaftliche Konsolidierung des mit 8,4 Millionen Mark verschuldeten Revierklubs übernimmt. Sein Name: Dr. Gerd Niebaum.

Kein anderer Präsident steht bei Borussia Dortmund so sehr für Aufstieg und Fall wie der am 23. Oktober 1948 in Lünen geborene Dr. Gerd Niebaum. Er wird 1986 als Nachfolger von Dr. Reinhard Rauball zum Präsidenten gewählt und gilt als Hoffnungsträger. Dass er lokale Sponsoren ins Boot holt und den Verein nur ein Jahr nach dem Fast-Abstieg 1986 als Vierter in den Europapokal führt, ist erst der Anfang einer neuen Euphorie um Schwarz-Gelb. Die Philosophie: Mit Spielern aus der Region nach oben! 1986 gelingt Borussia Dortmund etwas überraschend die Verpflichtung von Stürmerstar Frank Mill vom rheinischen Namensvetter Mönchengladbach. Gemeinsam mit dem Siegerländer Norbert „Nobby“ Dickel wird er ein Sturm-Duo bilden, um das Dortmund die halbe Liga beneidet. „Frankie“ und „Nobby“ schießen den BVB 1987 bis ins UEFA-Cup-Achtelfinale und 1989 zum DFB-Pokalsieg, dem ersten Titel nach 23 Jahren. Der Empfang der „Helden von Berlin“ am Dortmunder Friedensplatz ist ein Stück Stadtgeschichte. Ein weiterer Transfer-Glücksgriff in den ersten Jahren von Niebaums Amtszeit ist die überraschende Verpflichtung des Frankfurter Mittelfeldjuwels Andreas Möller.

Niebaums größter Coup ist allerdings das Engagement des bis dahin in Deutschland als Trainer völlig unbekannten Lörrachers Ottmar Hitzfeld im Sommer 1991. Hitzfeld und Niebaum werden das neue „Dynamic Duo“ des deutschen Fußballs. Ihre Strategie: Legionäre aus dem Lira-Paradies Italien zurückholen. Damit sind sie auch dem Branchenführer FC Bayern einen Schritt voraus, der sich zwischen 1991 und 1996 nur ein einziges Mal die Meisterschale „grapscht“. Bundesligaspiele und Europacup-Nächte in Dortmund werden ab 1992 zum Event. Das 1974 zur WM in der BR Deutschland erbaute Westfalenstadion tauft der Münchner Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer in die „Mailänder Scala des deutschen Fußballs“ um. Die noch im zugigen Olympiastadion spielenden Großkopferten aus München schauen fast neidisch nach Dortmund, wo Medien-Rummel und Glamour nach Art des „FC Hollywood“ (noch) keinen Platz haben. Michael Meier, als Manager 1989 von Bayer Leverkusen abgeworben, macht Borussia Dortmund zur Marke und wird (auch das wird heute selten gewürdigt) 1992 und 1993 vom Kicker-Sportmagazin zum „Manager des Jahres“ gekürt.17

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

0:12 gegen Borussia Mönchengladbach: Die größte fußballerische Peinlichkeit leistet sich Borussia Dortmund am 29. April 1978. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 1977/78 wird die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel im Düsseldorfer Rheinstadion von Borussia Mönchengladbach mit 0:12 abgeschossen. Es ist bis heute das höchste Ergebnis in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Coach Rehhagel („Otto Torhagel“) muss seinen Posten räumen. Torhüter Peter Endrulat spielt danach nie wieder für den BVB und wechselt im Sommer 1978 zu Tennis Borussia Berlin.

Statistiken Saison 1999/00: Eine aberwitzige Pleiten-Saison legt das für 30 Mio. Euro aufgerüstete Star-Ensemble von Borussia Dortmund in der Saison 1999/00 hin. Unter anderem werden der Nigerianer Victor Ikpeba und die deutschen Nationalspieler Fredi Bobic und Christian Wörns verpflichtet. Als Titel-Favorit und zwischenzeitlicher Tabellenführer entgeht Dortmund nach zwei Trainer-Wechseln nur knapp dem Abstieg! Trainer-Novize Matthias Sammer und Oldie Udo Lattek (damals 65), zuvor sieben Jahre aus dem Geschäft, müssen den taumelnden Revierklub retten. Am Ende springt noch Platz 11 raus. Vom 18. bis zum 32. Spieltag der Pleiten-Saison 1999/00 bleibt Dortmund ohne Sieg und stellt mit sechs Niederlagen in Serie den Pleiten-Rekord aus seiner Abstiegs-Saison 1971/72 ein.

Negativrekord in der Champions-League: In der Champions-League-Saison 2017/18 sorgt eine desolat auftretende Borussia für einen neuen deutschen Negativ-Rekord in der „Königsklasse“. Mit nur zwei Punkten aus sechs Gruppenspielen gegen Real Madrid, Tottenham Hotspur und APOEL Nikosia kommt die Mannschaft von Trainer Peter Bosz noch in die Europa League, dort geht die Blamagenserie weiter. Das nun von Peter Stöger trainierte Team kommt in vier weiteren Partien nur zu einem Sieg – 3:2 gegen Atalanta Bergamo.

Abstieg 1971/72: Die Abstiegs-Saison 1971/72 sieht neben vielen vereinsinternen Negativmarken, die bis heute Bestand haben (u. a. mit Rang 17 schlechteste Platzierung in der Abschluss-Tabelle, wenigste erzielte Tore, wenigste Punkte, wenigste Siege), auch die erste zweistellige Niederlage von Borussia Dortmund. Am 27. November 1971 kassiert der BVB im Stadion an der Grünwalder Straße beim FC Bayern München ein 1:11 „Bomber“ Gerd Müller trifft viermal. Der Ex-Pirmasenser Dieter Weinkauff verkürzt für den BVB auf 1:6.

Die schwache, letzte Saison unter Jürgen Klopp 2014/15 – ein Fest für Hater! Mit Platz 17 und 15 Punkten legt Dortmund die schlechteste Hinrunde aller Zeiten hin. Unter Klopp gibt es 2008/09 auch die Rekord-Zahl an Unentschieden: 14 Remis verhindern eine bessere Platzierung als Rang 6.

Borussia Dortmund
Abb.1.7.5 Das legendäre 12:0: Borussia Mönchengladbach deklassiert Borussia Dortmund am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 1977/78 – und wird dennoch nicht Meister! Foto: Imago Images / Kicker / Eissner

Gegen Paderborn: Ein 0:3 gegen den SC Paderborn bedeutet am 22. November 2019 den höchsten Pausen-Rückstand in der BVB-Historie vor heimischer Kulisse. Zuvor kassiert Dortmund am 21. November 1987 gegen den Hamburger SV in einer Halbzeit drei Gegentore zu Hause. Zur Pause steht es aber 2:3, was auch der Endstand ist. Ein 0:3 zur Halbzeit hat es für den BVB in einem Bundesliga-Heimspiel zuvor zuletzt am 15. April 1983 gegen Bayer Leverkusen gegeben. Wie 2019 gegen den SC Paderborn gibt es am Ende auch gegen die Bayer-Elf ein 3:3.

Derby des Jahrhunderts: Ein Spiel, das sie nicht mal verloren haben, geht trotzdem als gefühlte Mega-Niederlage in die BVB-Annalen ein. Am 25. November 2017 führt der BVB im Revierderby gegen Schalke zur Pause mit 4:0 und lässt sich durch Naldos Treffer in der Nachspielzeit den Sieg doch noch entreißen, denn der Kopfball markiert das 4:4 im „Derby des Jahrhunderts“ (Bild am Sonntag).

Spielzeit 2007/08: Schlechteste Saison seit der Einführung der 3-Punkte-Regelung im Jahr 1995 ist die Spielzeit 2007/08. Unter Trainer Thomas Doll erreicht Dortmund zwar das DFB-Pokalfinale, doch Platz 13 in der Bundesliga führt zur Ablösung von „Dolly“ zum Saisonende. 28 Zähler bedeuten 1985/86 nur Platz 16 und damit den Gang in die Relegationsspiele gegen Fortuna Köln (0:2, 3:1 und 8:0 in Düsseldorf).

77 Minuten Deutscher Meister: Erzfeind-Schalke darf sich seit 2001 als Vier-Minuten-Meister wähnen, doch was ist das gegen das Dortmunder Finaldrama 1992? Am 16. Mai geht der BVB als einer von drei punktgleichen Titelaspiranten ins Rennen und übernimmt ab der 9. Minute durch Stephane Chapuisats Tor in Duisburg die Tabellenführung von Eintracht Frankfurt. Die behält man 77 Spielminuten, ehe Guido Buchwald dezimierte Stuttgarter in Leverkusen in Führung und letztlich zum Sieg köpft. Die deutlich bessere Tordifferenz entscheidet für die Schwaben und der BVB muss noch drei Jahre auf seine erste Bundesligameisterschaft warten.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Champions League Sieger 1997: Der größte Erfolg gelingt dem Verein unter Trainer Ottmar Hitzfeld im Jahr 1997. Am 28. Mai 1997 wird Borussia Dortmund durch ein 3:1 (2:0) im Finale gegen Juventus Turin im Olympiastadion in München erster deutscher Sieger in der Champions League. Zweimal Karl-Heinz „Air“ Riedle und Klub-Eigengewächs Lars Ricken treffen gegen die favorisierten „Bianconeri“.

Das Double 2011/12: In der Bundesliga stellt die Saison 2011/12 mit dem ersten „Double“ der Vereinsgeschichte den größten Erfolg für den BVB dar. Unter der Regie von Trainer Jürgen Klopp verteidigt Borussia Dortmund im Fernduell gegen den FC Bayern München den deutschen Meistertitel und stellt mit 81 Punkten einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Mit 44 Punkten ist der alte und neue Deutsche Meister bestes Heimteam und mit 37 Zählern auch beste Auswärtsmannschaft der Liga.

Robert Lewandowski: Sein riesiges Potenzial deutet in der Saison 2011/12 ein BVB-Stürmer an, der in seinem ersten Jahr meist nur als „Backup“ für den gesetzten gebürtigen Argentinier Lucas Barrios bereitsteht: Robert Lewandowski. Der Pole erzielt in 34 Liga-Spielen satte 22 Tore. Im Pokalfinale am 12. Mai 2012 demütigt der BVB die Bayern mit 5:2 (3:1). Robert Lewandowski trifft dreimal für die Borussia, ebenso netzen Mats Hummels und Shinji Kagawa ein. Der Japaner wird beim Finale in Berlin von Tribünengast Sir Alex Ferguson beobachtet und wechselt im Sommer 2012 zu Manchester United.

Aufholjagd 2001/02: Die größte Aufholjagd in der Meisterschaft legen die Borussen 2001/02 unter Trainer Matthias Sammer hin. In den letzten drei Spielen gegen Köln (2:1), in Hamburg (4:3) und gegen Werder Bremen (2:1) machen sie fünf Zähler auf Tabellenführer Bayer Leverkusen gut und holen sich am 34. Spieltag doch noch die Meisterschale in einer wilden Saison. Denn die Tabellenführung wechselt zwischen 1. FC Kaiserslautern, dem FC Bayern München, dem BVB und Bayer Leverkusen munter hin und her. Am 20. Spieltag ist Dortmund mal wieder vorn, Leverkusen schießt sich mit dem 4:0 gegen den BVB am 24. Spieltag zwar wieder an die Spitze, vergibt dann aber zwei Spieltage vor dem Ende den „Matchball“. Ein von Werder-Keeper Frank Rost (40.) parierter Foul-Elfmeter von Bayer-Torhüter und Elfer-Schütze Hans-Jörg Butt verhindert gegen Bremen (1:2) die vorzeitige Meisterfeier in Leverkusen. Eine Woche später erlebt Bayer in Nürnberg (0:1) die nächste Niederlage und der BVB übernimmt mit dem Sieg beim HSV die Spitze – und gibt diese nicht mehr ab. „Am Ende gewinnt immer der Jäger und nicht das Wild“, gibt sich BVB-Manager Michael Meier im Endspurt bildhaft, „deswegen sind wir jetzt in der idealen Situation, um den Blattschuss zu setzen.“

Der BVB als Königsmacher: Schalke Meister in Dortmund? „Dat darf nich sein!“ – Das denken nicht nur die Fans, sondern auch die Mannschaft von Borussia Dortmund, die ihren Anhang in der Saison 2006/07 wahrlich nicht verwöhnt hat und den Abstieg rechnerisch erst am 32. Spieltag beim 2:0 in Wolfsburg abgewendet hat. Als „Zugabe“ gibt es den aus Dortmunder Sicht „süßesten“ aller Derby-Siege. Am 12. Mai 2007 reißen die Dortmunder durch Tore von Alexander Frei und Ebi Smolarek den Revier-Rivalen FC Schalke 04 mit 2:0 (1:0) aus allen Meisterträumen. Da im benachbarten Bochum der Verfolger VfB Stuttgart mit 3:2 beim VfL gewinnt, katapultieren sich die Schwaben an die Spitze – und holen den Titel.

Borussia Dortmund
Abb.1.7.6 6. November 1982: Borussia Dortmund und (v. l.) Bernd Klotz, Marcel Raducanu, Manfred Burgsmüller und Siegfried Bönighausen bejubeln zehn Tore in einer Halbzeit gegen Arminia Bielefeld (11:1). Foto: Imago Images / Kicker / Eissner

Der „Kindergarten“ überrumpelt den FC Bayern: „Meisterliches Wetter-Leuchten in München“, so sieht der Verlag DIE WERKSTATT im Bildband „Nur der BVB“ diesen aus Dortmunder Sicht unvergessenen Fußballabend vom 26. Februar 2011. Erstmals nach fast 20 Jahren gewinnt die Borussia mal wieder beim FC Bayern München – und macht einen Riesenschritt in Richtung Deutsche Meisterschaft. Lucas Barrios, Nuri Sahin und Mats Hummels machen den ersten Dortmunder Erfolg in München seit dem 12. Oktober 1991 perfekt. Sie bringen Coach Jürgen Klopp ins Schwärmen: „Das ist ein großer Tag für uns. Als Dortmund das letzte Mal hier gewonnen hat, wurden die meisten unserer Spieler noch gestillt.“

11:1 gegen Bielefeld: In der Saison 1982/83 gelingen Borussia Dortmund beim 11:1-Rekordsieg gegen Arminia Bielefeld zehn Tore in einer Halbzeit. Es ist Samstag, der 6. November 1982. Zur Pause steht es „nur“ 1:1, nachdem Frank Pagelsdorf für die Ostwestfalen und Manfred Burgsmüller für den BVB getroffen haben. Nach dem Wechsel geht das Tor-Festival bereits in der 46. Minute los. „Manni“ Burgsmüller und Rüdiger „Abi“ Abramczik (47.) überrumpeln Bielefeld mit einem Doppelschlag. Drei weitere Tore von Burgsmüller und von Bernd Klotz, eine Bude von Marcel Raducanu, dem „Maradona vom Kamener Kreuz“, und ein Elfmetertor von Lothar Huber machen den bis heute höchsten Sieg für die Borussia in der Bundesliga perfekt – und den Torrekord für eine Halbzeit. Kurios: Der ehemalige BVB-Trainer Horst Köppel nimmt auf die Heimfahrt ein Fässchen Bier mit, das eigentlich dem Sieger im Journalistentippspiel vorbehalten ist. Aber ein 11:1 hat keiner auf dem Tippschein und so geben die Skribenten das Bierfass dem, der am meisten Grund hat, sich an diesem Tag zu betäuben…

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Matthias Sammer

Der Titelsammler:Der gebürtige Dresdener kommt 1993 als Mittelfeldspieler nach Dortmund. Vorangegangen ist ein völlig missglücktes Gastspiel bei Inter Mailand. Sammer, immer schon eine Art spielender Trainer, hat sich mit Inter-Coach Osvaldo Bagnoli überworfen – und will nur noch zurück in die Bunde…

Jürgen Klopp

Der Meistermacher:„In Dortmund ist Fußball nicht die schönste Nebensache der Welt. Es ist die Hauptsache!“, spricht der Erfolgstrainer. Bekannt für seine emotionalen Auftritte, weiß „Kloppo“ stets zu polarisieren. Laut, engagiert und mit jeder Menge Herzblut führt er den BVB 2011 und 2012 zum Meiste…

Lars Ricken

Der Mann für die „Big Points“:Kein anderer Spieler steht so für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des BVB wie der am 10. Juli 1976 in Dortmund geborene Lars Ricken. Seinen Durchbruch schafft der deutsche A-Jugendmeister von 1994 im selben Jahr im Star-Ensemble von Trainer Ottmar Hitzfeld in der denkw…

Lothar Emmerich

„Gib mich die Kirsche!“Der 2003 verstorbene Stürmer kommt in 215 Bundesliga-Spielen auf 126 Treffer und wird im Europapokal-Sieger-Jahr 1965/66 mit 14 Buden Torschützenkönig in diesem Wettbewerb. Allein vier davon gelingen Emmerich in den beiden Halbfinal-Spielen gegen West Ham United. Im 1999 abges…

Michael Zorc

Der Treue:Mittelfeldspieler, Kapitän, das Herz des BVB. Seine 463 Bundesligaspiele absolviert „Susi“ allesamt für den BVB und ist bis heute Bundesliga-Rekordspieler des Vereins. Von 1981 bis 1998 läuft der Spieler mit der „ewigen“ Nummer acht regelmäßig auf, bis er ins Vereinsmanagement wechselt. De…

Dedê

Der Beliebte:Leonardo de Deus Santos kommt als 20-Jähriger 1998 nach Dortmund. Als Außenverteidiger wird er 2002 und 2011 Deutscher Meister und erreicht das Finale des UEFA-Cups 2002. Aufgrund seiner Fannähe ist Dedê nach wie vor einer der beliebtesten Spieler. Sein Abschiedsspiel veranstaltet der B…

Borussia Dortmund
Abb.1.7.7 Adi Preissler für den BVB (unten) und Günter Karnhof für S04 (oben) am 05.01.1958 im Spiel Dortmund (1:1). Foto: Imago Images / Horstmüller

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Pierre

Emerick Aubameyang – Der Proll:Der BVB beschert Pierre-Emerick Aubameyang die bis dato erfolgreichsten Jahre seines Fußballerlebens. 98 Tore erzielt er zwischen 2013 und 2018 für die Schwarz-Gelben und schafft den Durchbruch zum Weltstar. Aubameyangs Wechsel zum FC Arsenal wird jedoch begleitet von …

Gerd Niebaum

Der Megalomane:Er führt Borussia Dortmund in den Triumph und an den Rand des Bankrotts. Unter Niebaums Präsidentschaft gewinnt der BVB den DFB-Pokal 1989, drei deutsche Meisterschaften (1995, 1996 und 2002), die Champions League 1997 und den Weltpokal 1997. Niebaum will den FC Bayern München in den …

Sergej W.

Der Attentäter:Um 19:15 Uhr, im Dortmunder Stadtteil Höchsten, explodieren am 11. April 2017 drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze. Sie sind in einer Hecke deponiert worden, um den vorbeifahrenden Dortmunder Mannschaftsbus zu treffen. Die Spieler befinden sich auf dem Weg zum Westfalenstadion…

Florian Homm

Der Spekulant:Auf dem Höhepunkt der Dortmunder Finanzkrise taucht im Sommer 2004 unvermutet ein schillernder Helfer auf. Es ist der Finanzmanager Florian Homm. Der Hesse, Havard-Absolvent als Master of Business Administration, wird in Zeiten des „Neuen Marktes“ an der Frankfurter Börse Ende der 1990…

Borussia Dortmund
Abb.1.7.9 Dr. Gerd Niebaum führt den BVB erst an die Börse – und dann an den Rand des Ruins. Foto: Imago Images / Team 2

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Flemming Povlsen – Der „Urlaubs-Europameister“:Flemming Poulsen, der mit Nachrücker Dänemark 1992 die Fußballwelt verblüfft und in Schweden mit „Danish Dynamite“ gegen Deutschland den Titel holt, kommt 1990 von der PSV Eindhoven zu Borussia Dortmund. Es dauert lange, bis der in Real Madrids Farm-Team FC Castilla ausgebildete Stürmer sein erstes Tor für den BVB erzielt. Erst am 6. Oktober 1990 netzt Povlsen zum 1:1-Ausgleich gegen den Hamburger SV ein. Povlsen wird Stammspieler, seine lockere, offene Art und sein unermüdlicher Einsatz machen ihn vom Start weg zum Liebling der Fans im Westfalenstadion. „Er trifft für einen Stürmer nicht sehr oft das Tor“, sagt BVB-Manager Michael Meier über ihn, aber die Leute lieben ihn. Er läuft wie ein Verrückter über den Platz, rauf und runter. Die Dortmunder Fans sagen dann: Macht nix, Flemming, ist in Ordnung so.“ Im Pokal-Krimi beim 1. FC Kaiserslautern (3:6 n. V.) wird Povlsen schwer verletzt. Er zieht sich einen Kreuzbandriss zu und muss am Saisonende 1994/95 im Alter von nur 28 Jahren seine Profi-Karriere beenden. Sein Abschied aus Dortmund bei der Meisterfeier bringt die pure Emotion. „Ich bin sehr stolz, ein Borusse gewesen zu sein“, sagt Povlsen beim Empfang am Friedensplatz – und verabschiedet sich in die Sportinvalidität.

Otto Addo - Tor mit Kreuzbandriss:Otto Addo genießt unter den Fans von Borussia Dortmund Kultstatus. Das liegt primär an einem Treffer und einer Verletzung – beides datiert auf den 24. September 2003. Im Europapokalspiel gegen Austria Wien erzielt Addo in der 37. Minute das 1:0 für den BVB, obwohl er kurz zuvor einen Kreuzbandriss erlitten hat. Der BVB gewinnt mit 2:1, Otto wird direkt nach seinem Tor ausgewechselt.

Wolfgang Feiersinger – Finale auf der Tribüne:Wolfgang Feiersinger wechselt in der Saison 1996/97 zu Borussia Dortmund. Für den BVB absolviert der Österreicher 57 Bundesligaspiele und ist zu Anfang seiner Karriere beim BVB aufgrund einer Verletzung von Matthias Sammer Stammspieler. Feiersinger vertritt Sammer auch in der Champions League. Im Finale ist Sammer jedoch wieder fit und Ottmar Hitzfeld vertraut dem Dresdner mehr als dem Ösi. Nicht nur das. Hitzfeld verbannt Feiersinger sogar komplett aus dem Kader. So muss er das Finale gegen Juventus Turin von der Tribüne aus verfolgen. Zu Beginn der neuen Saison wird Hitzfeld Sportdirektor und Nevio Scala übernimmt den Trainerposten. Scala hält viel von Feiersinger, der nun häufiger spielt. „Nur Gott ist perfekt, aber Wolfgang Feiersinger ist es als Spieler.“ Dieses Zitat wird Nevio Scala zugeschrieben. Es kommt zu spät und hilft dem Österreicher wenig. Beim wichtigsten Spiel seiner Karriere ist sein Platz auf der Tribüne.

Rolf Rüssmann – Der frühe Tod:Rolf Rüssmann gehört zu den Spielern, die sowohl für Borussia Dortmund als auch für Schalke 04 spielen. Von 1980 bis 1985 spielt er für Borussia Dortmund und von 1969 – 1973 sowie von 1974 – 1980 für Schalke 04. Nach seiner Spielerkarriere ist er als Manager bei Borussia Mönchengladbach und beim VfB Stuttgart tätig. Rüssmann stirbt am 2. Oktober 2009 an den Folgen seines Prostata-Krebsleiden.

KFC – Kevin’s Failed Club:Mit Kevin Großkreutz sieht man ab 2018 erstmals einen deutschen Weltmeister von 2014 in der 3. Liga. Wie kann es so weit kommen? Am 2. März 2017 wird der Vertrag des sechsmaligen deutschen Nationalspielers beim VfB Stuttgart aufgelöst. Grund ist eine Schlägerei in einem Stuttgarter Rotlichtlokal, das Großkreutz zusammen mit einigen VfB-Jugendspielern besucht hat. Großkreutz, gezeichnet von der Prügelei und mit Tränen in den Augen, kündigt seinen (vorläufigen) Rückzug aus dem Profifußball an: „Ich werde jetzt erst mal ruhiger machen und möchte mit dem Profi-Fußball erst mal nichts mehr zu tun haben. Ich hoffe, die Presse lässt meine Familie und mich jetzt einfach mal in Ruhe.“ Bis zu seinem Wiedereinstieg im Sommer 2017 bei Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 hält sich der Ur-Dortmunder im Training von BVB II fit. Im Sommer 2018 wechselt Großkreutz dann zum Drittliga-Aufsteiger KFC Uerdingen. Im Mai 2019 ist der gefallene BVB-Held einmal mehr in eine Schlägerei geraten. Der Ex-Nationalspieler kommt bei einer Partie seines Heimatvereins VfL Kemminghausen III gegen Brambauer II in der Kreisliga C zwischen die Fronten. Großkreutz verzichtet hinterher auf eine polizeiliche Anzeige.

Borussia Dortmund
Abb.1.7.11 Otto Addo vom BVB am 24.09.2003 im UEFA-Cup-Spiel bei Austria Wien. Foto: Imago Images / Ulmer

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Der BVB hat die liebsten Feinde: Schalke und Bayern haben Dortmund gerettet“, sagen viele BVB-Hater. Und es stimmt, auch wenn mancher in Schwarz und Gelb das nur zähneknirschend zugeben mag. Die Blau-Weißen vom Schalker Markt und die Großkopferten aus München sind also die „liebsten Feinde“ der Dortmunder, frei nach Werner Herzog….

Der BVB erhält vom FC Schalke 04 eine kräftige Anschubhilfe: Anfang 1974 krebst der Revierklub in der zweitklassigen Regionalliga West herum. Präsident Heinz Günter hat dem Verein einen rigiden Sparkurs verordnet. Das Eröffnungsspiel des neuen Westfalenstadions lockt am 2. April 1974 gegen den Revier-Rivalen FC Schalke 04 rund 50.000 Zuschauer an – und beschert dem BVB einen warmen Regen in die Kassen. Es steht schlecht um die Borussia in diesen Tagen.

Gehaltsverzicht der Spieler: Das Spieljahr 1973/74 kann man nur zu Ende bringen, weil die Spieler im Frühjahr 1974 auf einen Teil ihrer Gehälter verzichten. Die besten Spieler hat man zu diesem Zeitpunkt bereits nach Notverkäufen abgegeben. Hans-Werner Hartl wird regelrecht zum VfL Bochum abgeschoben, Theo Bücker wird an den MSV Duisburg verkauft. Die Dortmunder Resterampe muss arge Kritik von Trainer Janos Bedl einstecken: „Wenn ein Profi für so viel Geld so wenig Leistung zeigt, muss ich ihm auch seine Grenzen zeigen können.“ Das klappt nur bedingt. Nach einem 1:1 bei Schlusslicht Viktoria Köln muss Bedl gehen. BVB-Idol Dieter „Hoppy“ Kurrat († 2017) übernimmt und erreicht mit dem Team das Minimalziel: Platz 6 und Qualifikation für die neue, zweigleisige 2. Bundesliga.

Dortmund und das Geld – Das ist immer so eine Sache! Nach dem rauschenden Triumph in der Champions League 1997 fragen sich viele Skeptiker: Wie finanzieren die das eigentlich alles? Der Luxus-Kader des BVB mit den Ex-Italien-Legionären Julio Cesar, Jürgen „Fußballgott“ Kohler, Andreas Möller, Karl-Heinz „Air“ Riedle, Stefan Reuter und Matthias Sammer kostet den Verein ein Vermögen. Dass dem BVB angeblich die Kohle fehlt, um das Star-Ensemble weiter zu befeuern, bringt die Süddeutsche Zeitung ausgerechnet am Finaltag in der Champions League. Dr. Gerd Niebaum, „Architekt“ der Dortmunder Erfolge, aber auch Beinahe-Bankrotteur und Hasardeur, empfiehlt „diesen Artikel ganz tief in die Mülltonne zu kloppen.“ Dabei liegen die Journalisten richtig. Völlig überraschend verkauft Dortmund im Sommer 1997 den zweimaligen Final-Torschützen Karl-Heinz Riedle zum FC Liverpool. Für 2,5 Mio. Euro – ein Schnäppchen. Die Folge: Borussia Dortmund kann zum Ende des Bilanzjahres wieder schwarze Zahlen vorweisen und die finanzielle Schieflage (noch) unter der Decke halten. Der Trick mit dem Riedle-Transfer wirkt zwar, doch Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld sieht klar. Er erhält im Sommer 1997 nicht mehr die gewohnt großzügigen Summen für neue Stars – und zieht sich auch wegen Reibereien mit Niebaum und Matthias Sammer enttäuscht auf den eigens für ihn geschaffenen Posten des „Sportdirektors“ zurück, wo der zweimalige Meistercoach allerdings nicht viel bewegt. Sein Können als Trainer beweist er dann ab 1998 bei den Bayern, mit denen er fünf weitere Meisterschaften holt. Sein Nachfolger Nevio Scala erreicht die Mannschaft trotz guter Deutschkenntnisse nie wirklich und Dortmund beendet die Saison nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte auf Rang 10 – und ohne die wertvollen Mehreinnahmen aus dem internationalen Fußball.

Börsen-Borussia: Am 31. Oktober 2000 geht Borussia Dortmund als erster deutscher Fußballverein an die Börse. Mit Hilfe der Deutschen Bank wird die Aktie zum Ausgabepreis von 11,00 Euro herausgegeben. Dieses ist auch der absolute Höchstkurs, der bis zum 31. Dezember 2019 nie wieder erreicht werden wird. Der Verein platziert 13,5 Mio. Aktien am Markt, was einen Netto-Emissionserlös von 150 Mio. Euro bedeutet. Mit diesem Geld wird Borussia Dortmund ab 2000 den Transfermarkt überschwemmen. Im Sommer 2002 liegt die Summe der Investitionen für neue Stars bereits bei mehr als 100 Mio. Euro. Ein Schritt, der in die Zeit passt. Deutschland ist im Börsen-Fieber Mit der Einführung des „Neuen Markts“ als eigenem Börsensegment im Jahr 1997 soll sich auf dem Parkett alles ändern. Zusätzlich hat der Börsengang der Deutschen Telekom das Spekulieren mit Aktien zum neuen Volkssport gemacht. Es wird eine Vielzahl von Internet-, Telekommunikations- und Technologie-Emissionen geben, die von Privatanlegern umfänglich gezeichnet oder an den ersten Börsentagen gekauft werden. Die Anleger glauben den Börsenprospekten, das Land, in dem die Investition in Aktien am wenigsten verankert ist, wird zum Zocker-Country. Die Medien stacheln die Euphorie, mit immer neuen Superlativen weiter an. Goldgräberstimmung!

Borussia Dortmund
Abb.1.7.13 Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Borussia Dortmund und sein ambitionierter Boss Dr. Gerd Niebaum wollen von dieser Boom-Phase profitieren. Sie beauftragen ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank damit, den Börsengang vorzubereiten. Die Erwartungen an die erste „Fußball-Aktie“ sind riesig. Schon wenige Tage vor der Erstausgabe laufen bei Borussia Dortmund die Telefone heiß. Fast 11.000 Vereinsmitglieder haben schon vor der am 23. Oktober 2000 starteten Preisfindungsphase versucht, die Aktie zu zeichnen. Die Experten kommen aus den Lobeshymnen kaum noch heraus. „Deutschland gehört zu den größten Märkten für Fußball, Dortmund ist ein Topverein und damit eine Topmarke“, jubelt etwa der Analyst Jan Herbst vom Investmenthaus Oppenheim Finanzanalyse. Während Niebaum und Co. die Anleger mit „Renditen im zweistelligen Bereich“ locken, werden mahnende Stimmen überhört. Die Bewertung der BVB-Aktie hänge nicht allein am Erfolg des Unternehmens, warnen erfahrene Investmentbanker schon vor dem Start, sondern auch von der Leistung der BVB-Kicker ab. Viele europäische Klubs, die börsennotiert sind - Tottenham Hotspur macht in England 1983 den Anfang – haben mit starken Kursschwankungen zu kämpfen und sind, was ihre Kursentwicklung anbetrifft, keine gute Kapitalanlage. „Spielt eine Mannschaft schlecht, gehen die Einnahmen automatisch zurück“, erklärt Karsten Rahlf von der Hamburger Vereins- und Westbank das Aktien-Dings noch mal für Blöde, „das Schöne an einer solchen Aktien ist, dass die Kleinanleger die Entwicklung des Fußball-Titels verstehen.“ Andere sehen es kritisch: „Die Aktie wird zur reinen Spekulationsanlage oder zum Liebhaberstück“, glaubt ein Frankfurter Investmentbanker.

Die Mahner werden recht behalten. Schon am ersten Tag schließt das Papier mit erheblichen Verlusten, zum Ende des ersten Handelstages notiert die Aktie an der Frankfurter Börse bei 9,52 Euro. Niebaum, Manager Michael Meier und ihr Team lassen sich von den Börsen-Journalisten trotzdem feiern. Im November 2002 liegt der Aktienkurs bei 2,50 Euro. Der vermeintlich clevere Schachzug mit der BVB-Aktie wird zum Mega-Flop – für die Aktionäre. Eine Dividende wird nie gezahlt, Kursgewinne gibt es nicht. Der Tiefstkurs wird im Jahr 2009 mit 0,85 Euro notiert. Damit sind die Aktien gerade noch das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Mittlerweile liegt der Kurs (Stand: 31. Dezember 2019) bei ca. 9.00 Euro. Der Hype um den Börsengang der Dortmunder wird schon im Vorfeld von vielen Medien als absoluter Coup gefeiert, was Bayern-Macher und Börsen-Freak Uli Hoeneß auch nach Jahren noch ärgert: „Die meisten Journalisten haben ja von der Börse leider Gottes ja nun mal überhaupt keine Ahnung und wir vom FC Bayern sind damals als Trottel hingestellt worden, weil wir nicht an die Börse gegangen sind.“

2004 steht der BVB nach der verschwenderischen Politik von Präsident Dr. Gerd Niebaum vor der Insolvenz. Im Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Portugal wird zur Europameisterschaft sogar über einen Lizenzentzug für den Ex-Meister getagt. Hilfe kommt ausgerechnet aus München Als die Dortmunder nicht mehr weiterwissen und Gehälter nicht mehr zahlen können, gibt der FC Bayern „ohne Sicherheiten“, wie es Uli Hoeneß später formuliert, zwei Millionen Euro für einige Monate. Es soll sich um eine Zahlung aus dem Jahr 2005 handeln. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigt später den Wahrheitsgehalt der Hoeneß-Aussage. Zudem kaufen die Münchner – mitten in der Transfermarkt-Flaute jener Jahre – Dortmunds zu diesem Zeitpunkt einzigen Topstar, Torsten Frings, für 9,5 Mio. Euro. „Wenn das Ganze vorbei ist und Sie mit Herrn Niebaum und Herrn Meier Hintergrundgespräche führen, werden Sie feststellen, dass sich der FC Bayern in diesen Wochen und Monaten sehr nobel verhalten hat“, erklärt Uli Hoeneß im November 2004 in „WDR – Die Story“.

Ohne Schalke kein Deutscher Meister: Sportlich gesehen wären die Deutschen Meisterschaften des BVB 1995 und 1996 ohne den Revier-Rivalen FC Schalke 04 wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Schalke – im Jahr 1995 auf Platz 10 jenseits von Gut und Böse – hält Dortmund am 32. Spieltag im Rennen und bezwingt Tabellenführer Werder Bremen mit 4:2. Bremen-Star Mario Basler rastet aus und geht in den Katakomben des Gelsenkirchener Parkstadions auf einen Kameramann los. Ein Jahr später hilft Schalke erneut: 2:1 gegen den Titel-Rivalen FC Bayern München am 33. Spieltag und der BVB darf feiern – dank „Königsblau“!

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Borussia Dortmund ist erster deutscher Europapokalsieger (1966). Das wissen viele. Hier kommen Fun Facts zum BVB mit „Wow“-Effekt.

Borussia Dortmund war irgendwie schon immer heimstark: Das erste Heimspiel, das die Borussia in der Oberliga West (bis 1963) verliert, gibt es erst in der dritten Saison in dieser Spielklasse und zwar am 2. April 1950 mit 0:1 gegen den späteren Vizemeister Preußen Dellbrück. Im Tor des Gegners steht Fritz Herkenrath, seines Zeichens deutscher Nationaltorhüter bei der WM 1958 in Schweden.

Der erste Nationalspieler: August Lenz (1910 – 1988) ist 1935 der erste Nationalspieler des BVB. Er läuft bis 1938 in 14 Länderspielen für Deutschland auf. Nach seiner aktiven Laufbahn betreibt Lenz 33 Jahre lang eine Kneipe am Borsigplatz in Dortmund. Das Gesicht von August Lenz ist heute neben dem Stadtadler mit BVB-Emblem das Logo der Dortmunder Ultra-Fangruppierung The Unity.

Dortmunder Löwen: Spätestens mit dem Börsengang 2000 gilt Borussia Dortmund für viele Kritiker und „Traditionalisten“ unter den deutschen Fußballfans als „Vorhölle der Kommerzialisierung“. Doch eigentlich beginnt die totale Vermarktung des BVB schon viel früher. Als der Verein nach vier bitteren Jahren in der Regionalliga und in der 2. Bundesliga Nord in die erste Liga zurückkehrt, übernimmt ein Tabakkonzern vollumfänglich das Sponsoring. Der Schriftzug („Samson“) auf dem Trikot ist zwar in den 1970-er Jahren nichts Ungewöhnliches mehr, sehr wohl jedoch das neue Vereinslogo. Anstatt „BVB 09“ grüßt ein Löwe auf dem Vereinslogo. Das bleibt bis 1978 so.

Ein Heimspiel im Westfalenstadion ohne Borussia Dortmund? Gibt’s nicht! Gibt’s doch – und zwar am 2. April 1976. Es ist kein Aprilscherz, aber auf dem Rasen der WM-Arena von 1974 und 2006 spielen tatsächlich an diesem Tag der VfL Bochum und der FC Schalke 04. Die „liebsten Feinde“ der Borussia also unter sich – die Höchststrafe für jeden Fan! Und als ob das nicht schon perfide genug wäre, gewinnen auch noch die „Knappen“ vom FC Schalke, der in Dortmund mit Sicherheit mehr verachtete unter diesen beiden Kontrahenten, mit 4:1 durch Tore von Erwin Kremers, Herbert Lütkebohmert, Hannes Bongartz und Klaus Fischer. Der Umbau des Bochumer Ruhrstadions macht die einmalige Konstellation möglich. „Zwar rechtfertigten 45.000 Zuschauer diese Entscheidung aus finanzieller Hinsicht, sportlich ging die Partie mit 1:4 jedoch gründlich daneben“, heißt es dazu auf der offiziellen Homepage des VfL Bochum.

Borussia Dortmund
Abb.1.7.15 Abb.1.7.15 Borussia Dortmund gewinnt im Mai 1966 den Europacup der Pokalsieger. Im Bild jubeln Erfolgscoach Willi Multhaup (Vordergrund) und Reinhard „Stan“ Libuda. (r.). Foto: Imago Images / Horstmüller

Schwacher Titelverteidiger: In der Saison 1966/67 ist für Borussia Dortmund als Europapokalsieger der Pokalsieger schon in der 2. Runde Schluss: 1:2 und 0:0 gegen die Glasgow Rangers aus Schottland. Die Bayern rächen sie dann im Finale (1:0 n.V.) gegen die Schotten.

Glamoroso Amoroso: Umgerechnet 25,5 Millionen Euro hat sich Borussia Dortmund 2001 die Dienste des brasilianischen Stürmers Marcio Amoroso vom AC Parma kosten lassen. Viel Geld für einen, der nur in einer Saison liefert. Amoroso wird Bundesliga-Torschützenkönig und zeigt seine ganze Klasse am 4. April 2002 beim UEFA-Cup-Halbfinale gegen den AC Mailand. Beim 4:0 (3:0)-Erfolg trifft der Brasilianer dreimal – und bringt die italienischen Medien zur Verzweiflung. „Das war kein Fußballspiel, sondern ein Massaker“, ist Italiens Fußball-Bibel Gazzetta dello Sport sicher. Der Corriere de la Sera sieht „die dunkelste europäische Nacht seit Beginn der Ära Berlusconi“.

In der Kneipe: Der BVB wird am 4. Advent 1909 von 18 Personen im Wirtshaus „Zum Wildschütz“ gegründet.

Bierussia: So heißt nicht nur ein bekannter BVB-Fanclub aus Niedersachsen! Der Vereinsname „Borussia“ geht auf die Borussia-Brauerei in der Nähe des Borsigplatzes zurück. So heißt es…in interessierten Kreisen.

Special Moments

Alarm für Kobra Wegmann: Der BVB erzwingt das Glück

Es ist heiß. Unfassbar heiß. Die tropische Hitze, die an diesem 19. Mai 1986 im Dortmunder Westfalenstadion herrscht, ist mir am meisten in Erinnerung geblieben. Die vier gleichförmigen Tribünen bieten mit einer Ausnahme keinen Schatten. Deshalb habe ich mich wohl die meiste Zeit des Spiels über vor der Südtribüne herumgedrückt. Dort spürt man – anders als sonst – eine absolut angespannte Stimmung. Die BVB-Fans wissen ebenso wie wir alle: Wenn wir das 0:2 aus dem Hinspiel im Südstadion gegen Fortuna Köln nicht umbiegen, dann war‘s das. Dann steigt Borussia Dortmund zum zweiten Mal nach 1972 aus der Bundesliga ab.

Fortuna Köln, der Verein, der vielen Fans in Deutschland wohl nur als „Lebenswerk“ des Unternehmers Hans „Jean“ Löring († 2005) in Erinnerung geblieben sein dürfte, hat Dortmund 1983 schon mal eine große Chance kaputt gemacht. Mit 5:0 hat man den BVB im DFB-Pokal-Halbfinale deklassiert! Und jetzt? Eigentlich können wir froh sein, dass wir diese Chance in den Relegationsspielen überhaupt noch haben! Unsere Saisonleistung ist mit „unterirdisch“ noch milde ausgedrückt. Mit den Trainern Pal Csernai und Reinhard Saftig haben wir mit Schwarz-Gelb nach der alten Zwei-Punkte-Wertung nur 28 Zähler geholt. Das ist die mieseste Bilanz für den BVB seit der Abstiegs-Saison 1971/72. Schon ein Jahr zuvor hat uns nur ein 2:0 gegen Werder Bremen am letzten Spieltag vor dem Gang in die Relegation bewahrt.

In Dortmund scheint nix mehr zu gehen. Sportlich nicht, finanziell schon gar nicht. Es müssen Notverkäufe her. Deshalb wird Torhüter Eike Immel am Saisonende zum VfB Stuttgart wechseln. Das wird dem BVB 1,6 Millionen Mark bringen. Die schwierigste Entscheidung habe ich aber selbst zu treffen: Dass ich mir mit dem Dortmunder Erzrivalen FC Schalke 04 über einen Wechsel am Saisonende einig bin, hat die BVB-Fans verärgert. Sie schimpfen mich „Judas“, sie beleidigen mich oft auch bei Besuchen in der Innenstadt und pfeifen mich seit Bekanntwerden meines Wechsels bei jedem Spiel gnadenlos aus. Dass Dortmund dadurch noch mal 1,35 Mio. Mark kassiert, interessiert sie nicht. Es läuft scheinbar alles schief.

Wir liegen gegen die Kölner auch im Rückspiel zur Pause zurück. 0:1. Unser Glück ist, dass es in den Relegationsspielen noch keine Auswärtstor-Regel gibt, sonst bräuchten wir schon vier Tore, um die Fortuna unten zu halten. Aber: Schon drei Tore gegen diese verbissen verteidigende Mannschaft zu erzielen, ist an so einem heißen Tag ungefähr so leicht, als müsste man den Möhnesee mit einem Bierglas leer schöpfen. Wir sind körperlich am Ende. Die Beine werden immer schwerer, der Kreislauf spielt verrückt. Irgendwann kämpfst du nur noch im Unterbewusstsein weiter, weil dein Körper den Kopf überstimmt. Du willst nur eines: Nicht absteigen!

In der Kabine herrscht zur Pause Grabesstille. Ich schaue Eike Immel tief in die Augen. „Kobra“, so ist mein Spitzname, weil ich mich als Torjäger selbst mal als „giftiger als die giftigste Schlange“ bezeichnet habe, „Kobra“, brüllt er mich irgendwann an, „ich schwöre dir, dass wir nicht absteigen!“

Ja, gut! Aber wie? Irgendwie gelingt es uns, dieses Spiel noch zu drehen. Auch mit freundlicher Unterstützung von Schiedsrichter Aaron Schmidthuber aus Ottobrunn. Ein Bayer hilft dem BVB, in diesem Fall mit einem Elfmeter, über den sich der Gegner fürchterlich aufregt. Ich aber sage: Die Kölner waren selbst schuld! Die hätten uns im Hinspiel abschießen können. Über ein 0:4 oder 0:5 hätten wir uns nicht beschweren dürfen. Michael Zorc, mit 463 Bundesliga-Spielen und 49 verwandelten Elfmetern Rekordspieler des BVB und eine Art „Mister Borussia“, holt uns nach 54 Minuten mit dem 1:1 am Ohr wieder in dieses Spiel rein. „Susi“ weiß, was auf dem Spiel steht. „Es ging um die Existenz des Klubs und auch einiger Spieler, es war nicht so, dass die Verträge Anfang oder Mitte der 80-er so üppig gestaltet waren“, wird er das Drama Jahre später zusammenfassen.

Dann köpft Marcel Raducanu das 2:1. Ich hole bei beiden Treffern den Ball aus dem Netz, um ein mögliches Zeitspiel der Kölner zu verhindern. Es sind jetzt noch 22 Minuten zu spielen und wir brauchen noch ein Tor, um ein drittes Spiel zu erzwingen.

Dass das Rückspiel erst in der 90. Minute entschieden wird, ist mir schon vorher klar. Das habe ich unserem Trainer Reinhard Saftig in einer Besprechung schon drei Tage zuvor gesagt. Verbunden mit der Forderung, mich bis zum Abpfiff auf dem Platz zu lassen. Saftig hört auf mich. Mit der Hereinnähme von Ingo Anderbrügge, der nach 46 Minuten für Lothar Huber kommt, tätigt er ohnehin in diesem Schlüsselspiel nur eine Einwechslung. Sie wird Gold wert sein.

Borussia Dortmund
Abb.1.7.17 Bundesliga-Relegation 1986: Im dritten Spiel in Düsseldorf überrennen Jürgen Wegmann (m.) und Borussia Dortmund Fortuna Köln mit 8:0. Foto: Imago Images / Sven Simon

Die Nachspielzeit läuft schon. Bleibt es beim 2:1, ist Borussia Dortmund abgestiegen. Der 3-malige Deutsche Meister, der erste deutsche Europapokalsieger von 1966, steht dann finanziell vor einer düsteren Zukunft. Dass man ein Jahr später am letzten Spieltag in Frankfurt mit einem 4:0 in den UEFA-Cup stürmen, auf Ringelsocken 1989 den DFB-Pokal gewinnen und mit Ottmar Hitzfeld 1991 einen Trainer holen wird, der den Verein zur zweiten Kraft im deutschen Fußball macht – das wäre alles Zukunftsmusik geblieben! In diesem Moment steht die 2. Liga wie eine riesige Mauer vor uns, die es zu erklimmen gilt – mit Vereinen wie Viktoria Aschaffenburg, Union Solingen, dem Dorfklub FSV Salmrohr oder den Derbys mit meinem ersten Profi-Verein Rot-Weiß Essen.

Das alles wäre eine Blamage für den BVB, der seit Jahren auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist. Der Verein hat irgendwie alles: Tolles Stadion, großartige Fans – aber eben (noch) kein Erfolgskonzept. Es kommt anders. Zum Glück. Für mich, für den BVB, für die ganze Region.

Bis heute sprechen mich die BVB-Fans auf meinen Treffer zum 3:1 an, der uns das dritte und entscheidende Spiel in Düsseldorf beschert. In meinem Kopf ist das Tor bis heute präsent. Dieser Film wird wohl ewig vor meinem geistigen Auge ablaufen. Wie in Trance sehe ich nach einer Rechtsflanke von Bernd Storck eine doppelte Kopfballverlängerung von Michael Zorc und Daniel Simmes. Am langen Pfosten kommt Ingo Anderbrügge an den Ball und haut ihn instinktiv, aber aus ungünstigem Winkel aufs Tor. Kölns Torhüter Jacek Jarecki kann die Kugel nur abprallen lassen – und da stehe ich. Ich, Kobra Wegmann.

Ich stochere den Ball irgendwie über die Torlinie, laufe mit dem Ball über die Torlinie. Den hochspringenden Daniel Simmes auf den Fotos von meinem Treffer habe ich in der ganzen Saison nicht so fit gesehen wie in diesem Moment…

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Es steht noch Null-Null.“

BVB-Kapitän Michael Zorc im „Aktuellen Sport-Studio“ im ZDF auf die Frage, ob Borussia Dortmund im UEFA-Cup-Finale 1993 eine Chance gegen Juventus Turin hat).

„Zuerst hatten wir kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu.“

BVB-Stürmer und Liga-Philosoph Jürgen „Kobra“ Wegmann, wenn auch damals in Diensten von Bayern München

„Wenn ich am Ende ganz oben stehe, dann können die Leute mich auch „Arschloch“ nennen, das ist mir egal.“

BVB-Leader Matthias Sammer auf die Frage nach seinem Spitznamen „Motzki“

„Frank Mill ist mit allen Abwassern gewaschen.“

Norbert „Nobby“ Dickel über seinen kongenialen BVB-Sturmpartner Frank „Fränkie“ Mill

„Wenn die Zuschauer Emotionen wollen, du aber Rasenschach anbietest, muss sich einer von beiden ein neues Stadion suchen."

Jürgen Klopp
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Intelligence

Die laufende Informationsbasis für fundierte Predictions: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form — alles, was ein Profi über Borussia Dortmund wissen muss.

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Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

Match Intelligence · Prediction Markets · Directional Alpha

Über dieses Projekt

„AKTE BVB" ist ein Dossier über Borussia Dortmund. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Carsten Germann, Thomas Look & Udo Muras
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar