Börsen-Borussia: Der IPO 2000
Am 31. Oktober 2000 geht Borussia Dortmund als erster deutscher Fußballverein an die Börse. Mit Hilfe der Deutschen Bank wird die Aktie zum Ausgabepreis von 11,00 Euro herausgegeben. Dieses ist auch der absolute Höchstkurs, der bis zum 31. Dezember 2019 nie wieder erreicht werden wird. Der Verein platziert 13,5 Mio. Aktien am Markt, was einen Netto-Emissionserlös von 150 Mio. Euro bedeutet. Mit diesem Geld wird Borussia Dortmund ab 2000 den Transfermarkt überschwemmen.
Deutschland im Börsen-Fieber
Deutschland ist im Börsen-Fieber. Mit der Einführung des „Neuen Markts" als eigenem Börsensegment im Jahr 1997 soll sich auf dem Parkett alles ändern. Zusätzlich hat der Börsengang der Deutschen Telekom das Spekulieren mit Aktien zum neuen Volkssport gemacht. Die Anleger glauben den Börsenprospekten, das Land, in dem die Investition in Aktien am wenigsten verankert ist, wird zum Zocker-Country. Die Medien stacheln die Euphorie mit immer neuen Superlativen weiter an. Goldgräberstimmung!
Borussia Dortmund und sein ambitionierter Boss Dr. Gerd Niebaum wollen von dieser Boom-Phase profitieren. Sie beauftragen ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank damit, den Börsengang vorzubereiten. Die Erwartungen an die erste „Fußball-Aktie" sind riesig. Schon wenige Tage vor der Erstausgabe laufen bei Borussia Dortmund die Telefone heiß. Fast 11.000 Vereinsmitglieder haben schon vor der am 23. Oktober 2000 gestarteten Preisfindungsphase versucht, die Aktie zu zeichnen.
Mahnende Stimmen
Die Experten kommen aus den Lobeshymnen kaum noch heraus. „Deutschland gehört zu den größten Märkten für Fußball, Dortmund ist ein Topverein und damit eine Topmarke", jubelt etwa der Analyst Jan Herbst vom Investmenthaus Oppenheim Finanzanalyse. Während Niebaum und Co. die Anleger mit „Renditen im zweistelligen Bereich" locken, werden mahnende Stimmen überhört. Die Bewertung der BVB-Aktie hänge nicht allein am Erfolg des Unternehmens, warnen erfahrene Investmentbanker schon vor dem Start, sondern auch von der Leistung der BVB-Kicker ab.
Viele europäische Klubs, die börsennotiert sind — Tottenham Hotspur macht in England 1983 den Anfang – haben mit starken Kursschwankungen zu kämpfen und sind keine gute Kapitalanlage. „Spielt eine Mannschaft schlecht, gehen die Einnahmen automatisch zurück", erklärt Karsten Rahlf von der Hamburger Vereins- und Westbank. Andere sehen es kritisch: „Die Aktie wird zur reinen Spekulationsanlage oder zum Liebhaberstück", glaubt ein Frankfurter Investmentbanker.
Der Mega-Flop
Die Mahner werden recht behalten. Schon am ersten Tag schließt das Papier mit erheblichen Verlusten, zum Ende des ersten Handelstages notiert die Aktie an der Frankfurter Börse bei 9,52 Euro. Niebaum, Manager Michael Meier und ihr Team lassen sich von den Börsen-Journalisten trotzdem feiern. Im November 2002 liegt der Aktienkurs bei 2,50 Euro. Der vermeintlich clevere Schachzug mit der BVB-Aktie wird zum Mega-Flop – für die Aktionäre. Eine Dividende wird nie gezahlt, Kursgewinne gibt es nicht. Der Tiefstkurs wird im Jahr 2009 mit 0,85 Euro notiert.
Der Hype um den Börsengang wird schon im Vorfeld von vielen Medien als absoluter Coup gefeiert, was Bayern-Macher Uli Hoeneß auch nach Jahren noch ärgert: „Die meisten Journalisten haben ja von der Börse leider Gottes ja nun mal überhaupt keine Ahnung und wir vom FC Bayern sind damals als Trottel hingestellt worden, weil wir nicht an die Börse gegangen sind." 2004 steht der BVB nach der verschwenderischen Politik von Präsident Dr. Gerd Niebaum vor der Insolvenz. Im Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Portugal wird zur Europameisterschaft sogar über einen Lizenzentzug für den Ex-Meister getagt.