Kapitel 04

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Akte BVB — Für die Hater
Akte BVB · Borussia Dortmund

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

0:12 gegen Borussia Mönchengladbach: Die größte fußballerische Peinlichkeit leistet sich Borussia Dortmund am 29. April 1978. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 1977/78 wird die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel im Düsseldorfer Rheinstadion von Borussia Mönchengladbach mit 0:12 abgeschossen. Es ist bis heute das höchste Ergebnis in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Coach Rehhagel („Otto Torhagel“) muss seinen Posten räumen. Torhüter Peter Endrulat spielt danach nie wieder für den BVB und wechselt im Sommer 1978 zu Tennis Borussia Berlin.

Statistiken Saison 1999/00: Eine aberwitzige Pleiten-Saison legt das für 30 Mio. Euro aufgerüstete Star-Ensemble von Borussia Dortmund in der Saison 1999/00 hin. Unter anderem werden der Nigerianer Victor Ikpeba und die deutschen Nationalspieler Fredi Bobic und Christian Wörns verpflichtet. Als Titel-Favorit und zwischenzeitlicher Tabellenführer entgeht Dortmund nach zwei Trainer-Wechseln nur knapp dem Abstieg! Trainer-Novize Matthias Sammer und Oldie Udo Lattek (damals 65), zuvor sieben Jahre aus dem Geschäft, müssen den taumelnden Revierklub retten. Am Ende springt noch Platz 11 raus. Vom 18. bis zum 32.

Spieltag der Pleiten-Saison 1999/00 bleibt Dortmund ohne Sieg und stellt mit sechs Niederlagen in Serie den Pleiten-Rekord aus seiner Abstiegs-Saison 1971/72 ein.

Negativrekord in der Champions-League: In der Champions-League-Saison 2017/18 sorgt eine desolat auftretende Borussia für einen neuen deutschen Negativ-Rekord in der „Königsklasse“. Mit nur zwei Punkten aus sechs Gruppenspielen gegen Real Madrid, Tottenham Hotspur und APOEL Nikosia kommt die Mannschaft von Trainer Peter Bosz noch in die Europa League, dort geht die Blamagenserie weiter. Das nun von Peter Stöger trainierte Team kommt in vier weiteren Partien nur zu einem Sieg – 3:2 gegen Atalanta Bergamo.

Abstieg 1971/72: Die Abstiegs-Saison 1971/72 sieht neben vielen vereinsinternen Negativmarken, die bis heute Bestand haben (u. a. mit Rang 17 schlechteste Platzierung in der Abschluss-Tabelle, wenigste erzielte Tore, wenigste Punkte, wenigste Siege), auch die erste zweistellige Niederlage von Borussia Dortmund. Am 27. November 1971 kassiert der BVB im Stadion an der Grünwalder Straße beim FC Bayern München ein 1:11 „Bomber“ Gerd Müller trifft viermal. Der Ex-Pirmasenser Dieter Weinkauff verkürzt für den BVB auf 1:6.

Die schwache, letzte Saison unter Jürgen Klopp 2014/15 – ein Fest für Hater! Mit Platz 17 und 15 Punkten legt Dortmund die schlechteste Hinrunde aller Zeiten hin. Unter Klopp gibt es 2008/09 auch die Rekord-Zahl an Unentschieden: 14 Remis verhindern eine bessere Platzierung als Rang 6.

BVB Deutscher Meister 1963 – Wilhelm Burgsmüller mit Meisterschale
Borussia Dortmund ist Deutscher Meister – 29.06.1963. Wilhelm Burgsmüller jubelt mit der Meisterschale. Foto: Imago Images/ Pressefoto Baumann

Gegen Paderborn: Ein 0:3 gegen den SC Paderborn bedeutet am 22. November 2019 den höchsten Pausen-Rückstand in der BVB-Historie vor heimischer Kulisse. Zuvor kassiert Dortmund am 21. November 1987 gegen den Hamburger SV in einer Halbzeit drei Gegentore zu Hause. Zur Pause steht es aber 2:3, was auch der Endstand ist. Ein 0:3 zur Halbzeit hat es für den BVB in einem Bundesliga-Heimspiel zuvor zuletzt am 15. April 1983 gegen Bayer Leverkusen gegeben. Wie 2019 gegen den SC Paderborn gibt es am Ende auch gegen die Bayer-Elf ein 3:3.

Derby des Jahrhunderts: Ein Spiel, das sie nicht mal verloren haben, geht trotzdem als gefühlte Mega-Niederlage in die BVB-Annalen ein. Am 25. November 2017 führt der BVB im Revierderby gegen Schalke zur Pause mit 4:0 und lässt sich durch Naldos Treffer in der Nachspielzeit den Sieg doch noch entreißen, denn der Kopfball markiert das 4:4 im „Derby des Jahrhunderts“ (Bild am Sonntag).

Spielzeit 2007/08: Schlechteste Saison seit der Einführung der 3-Punkte-Regelung im Jahr 1995 ist die Spielzeit 2007/08. Unter Trainer Thomas Doll erreicht Dortmund zwar das DFB-Pokalfinale, doch Platz 13 in der Bundesliga führt zur Ablösung von „Dolly“ zum Saisonende. 28 Zähler bedeuten 1985/86 nur Platz 16 und damit den Gang in die Relegationsspiele gegen Fortuna Köln (0:2, 3:1 und 8:0 in Düsseldorf).

77 Minuten Deutscher Meister: Erzfeind-Schalke darf sich seit 2001 als Vier-Minuten-Meister wähnen, doch was ist das gegen das Dortmunder Finaldrama 1992? Am 16. Mai geht der BVB als einer von drei punktgleichen Titelaspiranten ins Rennen und übernimmt ab der 9. Minute durch Stephane Chapuisats Tor in Duisburg die Tabellenführung von Eintracht Frankfurt. Die behält man 77 Spielminuten, ehe Guido Buchwald dezimierte Stuttgarter in Leverkusen in Führung und letztlich zum Sieg köpft. Die deutlich bessere Tordifferenz entscheidet für die Schwaben und der BVB muss noch drei Jahre auf seine erste Bundesligameisterschaft warten.

CL-Finale 2013: Robbens Dolchstoß in der 89. Minute

„Roooobbbeeeen“: „Roooobbbeeeen“ – so entfährt es Sky-Reporter Marcel Reif in der 89. Minute des „deutschen“ Champions-League-Finales zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund am 25. Mai 2013 im Londoner Wembley-Stadion. Der Holländer Arjen Robben stürzt den BVB mit seinem späten Treffer ins Tal der Tränen. Denn: Dortmund ist nach dem 1:1-Ausgleich von Ilkay Gündogan per Foulelfmeter am Drücker, kann aber in der kurzen Nachspielzeit nicht mehr zurückschlagen. „Nach dem 1:1 ging mir der Arsch auf Grundeis“, sagt Bayern-Keeper Manuel Neuer nach dem Spiel. Ein Jahr später schießt Arjen Robben in der Verlängerung des

CL-Finale 2024: So nah und doch so fern

Am 1. Juni 2024 im Londoner Wembley-Stadion. Borussia Dortmund gegen Real Madrid, das Champions-League-Finale. Der BVB spielt eine starke erste Halbzeit, hat die besseren Chancen — und geht trotzdem mit 0:2 unter. Dani Carvajal und Vinícius Júnior treffen für die Königlichen. Es ist das dritte CL-Finale in der Vereinsgeschichte (nach 1997 und 2013) und die zweite Niederlage gegen einen spanischen Giganten in Wembley. Besonders bitter: In der ersten Hälfte hatte der BVB die Partie dominiert, Karim Adeyemi und Niclas Füllkrug vergaben beste Möglichkeiten. Der Fußball kann grausam sein — vor allem, wenn man gegen eine Mannschaft verliert, die CL-Finals quasi im Abonnement gewinnt.

Das Trainer-Karussell: Sechs Cheftrainer in sechs Jahren

Die Trainerbank beim BVB war zwischen 2020 und 2026 ein Schleudersitz: Lucien Favre wurde im Dezember 2020 nach einem 1:5 gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart entlassen. Edin Terzić übernahm interimistisch und gewann den DFB-Pokal 2021. Dann kam Marco Rose, der trotz einer Vizemeisterschaft nach nur einer Saison gehen musste.

Terzić kehrte zurück, führte den BVB ins CL-Finale 2024 und bat danach um Vertragsauflösung. Nuri Şahin übernahm als sein ehemaliger Assistent — und scheiterte krachend: Nach nur sieben Monaten, einer 1:2-Niederlage beim FC Bologna in der Champions League und vier Pflichtspiel-Niederlagen in Folge wurde er im Januar 2025 entlassen. Der BVB stand auf Platz 10 der Bundesliga. Niko Kovač wurde als Nachfolger verpflichtet und stabilisierte die Mannschaft.

Das Şahin-Debakel: 2:4 in Kiel

Es gibt Niederlagen und es gibt Demütigungen. Am 14. Januar 2025 verlor Borussia Dortmund 2:4 beim Aufsteiger Holstein Kiel. BVB-Geschäftsführer Lars Ricken nannte die Leistung peinlich, beschämend und der Borussia unwürdig. BVB-Berater Matthias Sammer urteilte vernichtend, die Mannschaft sei körperlich und geistig in einer Nichtverfassung — sie könne weder verteidigen noch angreifen. Eine Woche und eine weitere Niederlage in Bologna später war Nuri Şahins Zeit beim BVB beendet.

Meisterschaft 2023: Mainz und die 89. Minute

Das Drama vom 34. Spieltag 2022/23 wird BVB-Fans für immer verfolgen: Dortmund braucht am letzten Spieltag nur einen Sieg gegen den FSV Mainz 05, um erstmals seit 2012 Deutscher Meister zu werden. Der BVB führt, fällt dann aber auf 2:2 zurück. Parallel trifft Bayern München in der 89. Minute zum 2:1 gegen den 1. FC Köln. Bei Punktgleichheit entscheidet die bessere Tordifferenz — zugunsten der Bayern. Die Dortmunder Mannschaft liegt nach Abpfiff weinend auf dem Rasen, 80.000 Fans im Westfalenstadion sind fassungslos. Sébastien Haller, der erst Monate zuvor seinen Krebs besiegt hat, verschießt einen Elfmeter und verschuldet einen Gegentreffer. Es ist eine der tragischsten Szenen der Bundesliga-Geschichte.

Saison 2024/25: Vom CL-Finale auf Platz 10

Noch im Juni 2024 stand der BVB im Champions-League-Finale. Ein halbes Jahr später rangierten die Schwarz-Gelben auf Platz 10 der Bundesliga, sechs Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Der Kaderumbruch nach dem Finale — Reus, Hummels, Sancho, Füllkrug weg — wurde sportlich nicht aufgefangen. Die Neuzugänge brauchten Anlaufzeit, die taktische Linie unter Şahin blieb unklar. Ein frühes Aus im DFB-Pokal (zweite Runde beim VfL Wolfsburg) rundete die Misere ab.

Häufige Fragen

Hat der BVB das CL-Finale 2024 verloren?

Ja, Borussia Dortmund verlor am 1. Juni 2024 in Wembley das CL-Finale gegen Real Madrid mit 0:2 durch Tore von Carvajal und Vinícius Júnior.

Wie viele Trainer hatte der BVB seit 2020?

Sechs Cheftrainer: Favre (bis 2020), Terzić (2020/21), Rose (2021/22), Terzić (2022–2024), Şahin (2024/25), Kovač (seit 2025).

Warum wurde Nuri Şahin entlassen?

Şahin wurde im Januar 2025 nach einer 1:2-Niederlage bei Bologna in der CL entlassen. Der BVB stand nach nur einem Sieg aus neun Spielen auf Platz 10.

Alle Kapitel:
Kap. 01: Prolog Kap. 02: Steckbrief Kap. 03: Good to Know Kap. 04: Für die Hater Kap. 05: Für die Lover Kap. 06: Schlüsselfiguren Kap. 07: Personae Non Gratae Kap. 08: Tragisch Kap. 09: OMG — Oh My God Kap. 10: Fun Facts Kap. 11: Special Moments Kap. 12: Weise Worte
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