Kapitel 08

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Akte BVB — Tragisch
Akte BVB · Borussia Dortmund

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Flemming Povlsen – Der „Urlaubs-Europameister“:Flemming Poulsen, der mit Nachrücker Dänemark 1992 die Fußballwelt verblüfft und in Schweden mit „Danish Dynamite“ gegen Deutschland den Titel holt, kommt 1990 von der PSV Eindhoven zu Borussia Dortmund. Es dauert lange, bis der in Real Madrids Farm-Team FC Castilla ausgebildete Stürmer sein erstes Tor für den BVB erzielt. Erst am 6. Oktober 1990 netzt Povlsen zum 1:1-Ausgleich gegen den Hamburger SV ein. Povlsen wird Stammspieler, seine lockere, offene Art und sein unermüdlicher Einsatz machen ihn vom Start weg zum Liebling der Fans im Westfalenstadion.

„Er trifft für einen Stürmer nicht sehr oft das Tor“, sagt BVB-Manager Michael Meier über ihn, aber die Leute lieben ihn. Er läuft wie ein Verrückter über den Platz, rauf und runter. Die Dortmunder Fans sagen dann: Macht nix, Flemming, ist in Ordnung so.“ Im Pokal-Krimi beim 1. FC Kaiserslautern (3:6 n. V.) wird Povlsen schwer verletzt. Er zieht sich einen Kreuzbandriss zu und muss am Saisonende 1994/95 im Alter von nur 28 Jahren seine Profi-Karriere beenden. Sein Abschied aus Dortmund bei der Meisterfeier bringt die pure Emotion. „Ich bin sehr stolz, ein Borusse gewesen zu sein“, sagt Povlsen beim Empfang am Friedensplatz – und verabschiedet sich in die Sportinvalidität.

Adi Preissler BVB vs Günter Karnhof Schalke 1958 Revierdderby
Adi Preissler für den BVB (unten) und Günter Karnhof für S04 (oben) am 05.01.1958 im Spiel Dortmund (1:1). Foto: Imago Images / Horstmüller

Otto Addo - Tor mit Kreuzbandriss:Otto Addo genießt unter den Fans von Borussia Dortmund Kultstatus. Das liegt primär an einem Treffer und einer Verletzung – beides datiert auf den 24. September 2003. Im Europapokalspiel gegen Austria Wien erzielt Addo in der 37. Minute das 1:0 für den BVB, obwohl er kurz zuvor einen Kreuzbandriss erlitten hat. Der BVB gewinnt mit 2:1, Otto wird direkt nach seinem Tor ausgewechselt.

Wolfgang Feiersinger – Finale auf der Tribüne:Wolfgang Feiersinger wechselt in der Saison 1996/97 zu Borussia Dortmund. Für den BVB absolviert der Österreicher 57 Bundesligaspiele und ist zu Anfang seiner Karriere beim BVB aufgrund einer Verletzung von Matthias Sammer Stammspieler. Feiersinger vertritt Sammer auch in der Champions League. Im Finale ist Sammer jedoch wieder fit und Ottmar Hitzfeld vertraut dem Dresdner mehr als dem Ösi. Nicht nur das. Hitzfeld verbannt Feiersinger sogar komplett aus dem Kader. So muss er das Finale gegen Juventus Turin von der Tribüne aus verfolgen. Zu Beginn der neuen Saison wird Hitzfeld Sportdirektor und Nevio Scala übernimmt den Trainerposten.

Rolf Rüssmann 2009 – BVB-Legende kurz vor seinem Tod
Rolf Rüssmann am 09. Juli 2009 kurz vor seinem Tod während einer Bolzplatzeinweihung in Gelsenkirchen-Hassel. Foto: Imago Images/Stepniak

Scala hält viel von Feiersinger, der nun häufiger spielt. „Nur Gott ist perfekt, aber Wolfgang Feiersinger ist es als Spieler.“ Dieses Zitat wird Nevio Scala zugeschrieben. Es kommt zu spät und hilft dem Österreicher wenig. Beim wichtigsten Spiel seiner Karriere ist sein Platz auf der Tribüne.

Rolf Rüssmann – Der frühe Tod:Rolf Rüssmann gehört zu den Spielern, die sowohl für Borussia Dortmund als auch für Schalke 04 spielen. Von 1980 bis 1985 spielt er für Borussia Dortmund und von 1969 – 1973 sowie von 1974 – 1980 für Schalke 04. Nach seiner Spielerkarriere ist er als Manager bei Borussia Mönchengladbach und beim VfB Stuttgart tätig. Rüssmann stirbt am 2. Oktober 2009 an den Folgen seines Prostata-Krebsleiden.

KFC – Kevin’s Failed Club:Mit Kevin Großkreutz sieht man ab 2018 erstmals einen deutschen Weltmeister von 2014 in der 3. Liga. Wie kann es so weit kommen? Am 2. März 2017 wird der Vertrag des sechsmaligen deutschen Nationalspielers beim VfB Stuttgart aufgelöst. Grund ist eine Schlägerei in einem Stuttgarter Rotlichtlokal, das Großkreutz zusammen mit einigen VfB-Jugendspielern besucht hat. Großkreutz, gezeichnet von der Prügelei und mit Tränen in den Augen, kündigt seinen (vorläufigen) Rückzug aus dem Profifußball an: „Ich werde jetzt erst mal ruhiger machen und möchte mit dem Profi-Fußball erst mal nichts mehr zu tun haben.

Ich hoffe, die Presse lässt meine Familie und mich jetzt einfach mal in Ruhe.“ Bis zu seinem Wiedereinstieg im Sommer 2017 bei Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 hält sich der Ur-Dortmunder im Training von BVB II fit. Im Sommer 2018 wechselt Großkreutz dann zum Drittliga-Aufsteiger KFC Uerdingen. Im Mai 2019 ist der gefallene BVB-Held einmal mehr in eine Schlägerei geraten. Der Ex-Nationalspieler kommt bei einer Partie seines Heimatvereins VfL Kemminghausen III gegen Brambauer II in der Kreisliga C zwischen die Fronten. Großkreutz verzichtet hinterher auf eine polizeiliche Anzeige.

BVB Infografik – Trainerwechsel und Vereinsgeschichte visualisiert
Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Sébastien Haller: Hodenkrebs zehn Tage nach dem Transfer

Am 6. Juli 2022 unterschrieb Sébastien Haller bei Borussia Dortmund. Er sollte als teuerster Stürmer der Vereinsgeschichte (31 Millionen Euro von Ajax Amsterdam) den abgewanderten Erling Haaland ersetzen. Zehn Tage später die niederschmetternde Diagnose: Hodenkrebs. Im Trainingslager in Bad Ragaz wurde ein bösartiger Hodentumor festgestellt. Es folgten zwei Operationen und vier Chemotherapie-Zyklen. Haller kämpfte mit beeindruckender Willenskraft und feierte im Januar 2023 sein Comeback. In 33 Bundesligaspielen erzielte er neun Tore, aber die Form der Ajax-Zeit erreichte er nie mehr. Im Sommer 2025 verließ er den BVB endgültig in Richtung FC Utrecht.

Marco Reus: 54 Verletzungen, kein Meistertitel

Die Karriere von Marco Reus beim BVB ist eine einzige Tragödie der verpassten Krönungen. 54 Verletzungen oder krankheitsbedingte Ausfälle, 1.246 Tage Ausfalldauer, 145 verpasste Spiele. Er verpasste die WM 2014, als Deutschland ohne ihn Weltmeister wurde. Er verpasste die Meisterschaft 2019 und 2023 jeweils knapp. In seinem allerletzten Pflichtspiel, dem CL-Finale 2024 in Wembley, saß er auf der Bank und konnte die 0:2-Niederlage als Joker nicht verhindern. Zwei CL-Finals, beide verloren. Trotzdem: 170 Tore in 429 Spielen machen ihn zum zweitbesten Torschützen der Vereinsgeschichte.

Bombenanschlag 2017: Die Nachwirkungen

Am 11. April 2017 detonierte am BVB-Mannschaftsbus eine Bombe. Verteidiger Marc Bartra wurde durch Metallsplitter am Handgelenk verletzt. Der Täter — kein Terrorist, sondern ein deutsch-russischer Börsenspekulant — hatte auf einen Kursverfall der BVB-Aktie gewettet. Er wurde 2018 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Mehrere Profis berichteten später von Schlafstörungen und Angstzuständen. Der BVB musste nur einen Tag nach dem Anschlag im CL-Viertelfinale gegen Monaco ran und verlor 2:3.

Häufige Fragen

Was passierte mit Sébastien Haller?

Zehn Tage nach seiner Verpflichtung 2022 wurde Hodenkrebs diagnostiziert. Nach vier Chemotherapien feierte er im Januar 2023 sein Comeback.

Wie viele Verletzungen hatte Marco Reus?

54 Verletzungen mit 1.246 Tagen Ausfalldauer und 145 verpassten Spielen in seiner Profikarriere.

Wann war der Bombenanschlag auf den BVB-Bus?

Am 11. April 2017. Verteidiger Bartra wurde verletzt. Der Täter, ein Börsenspekulant, erhielt 14 Jahre Haft.

Alle Kapitel:
Kap. 01: Prolog Kap. 02: Steckbrief Kap. 03: Good to Know Kap. 04: Für die Hater Kap. 05: Für die Lover Kap. 06: Schlüsselfiguren Kap. 07: Personae Non Gratae Kap. 08: Tragisch Kap. 09: OMG — Oh My God Kap. 10: Fun Facts Kap. 11: Special Moments Kap. 12: Weise Worte
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