Akte Borussia Dortmund
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Die Watzke-Wende

14. März 2005: Sechs Stunden Düsseldorfer Flughafen retten den BVB

Watzke nennt diesen Tag den zweiten Geburtstag des Vereins; die Molsiris-Anleger geben ein 52-Millionen-Depot frei und wenden die Insolvenz ab.

„Entscheidend iss auffem Flugplatz": Hans-Joachim Watzke hat auch zehn Jahre danach noch ein beklemmendes Gefühl, wenn er an den 14. März 2005, den „zweiten Geburtstag von Borussia Dortmund", denkt. „Das war unfassbar, das war eine Extremsituation. \n\nNach langem Ringen stimmen die Haupteigentümer des Westfalenstadions dem Sanierungskonzept des finanziell schwer angeschlagenen Klubs zu. Damit kann die drohende Insolvenz des Branchenriesen quasi in letzter Minute abgewendet werden. \n\n„Die ersten vier Stunden waren sehr negativ. Da hatten einige BVB-Sympathisanten im Saal Tränen in den Augen. \n\nKnapp einen Monat zuvor ist Schicht im Schacht, als der einzige an der Börse notierte deutsche Fußballverein per Pflichtmitteilung eine „existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation" vermeldet. Als der damalige Manager Michael Meier auf einer Pressekonferenz wenige Stunden später gefragt wird, ob der BVB noch liquide sei, erteilt er seinem Nebenmann Jochen Rölfs das Wort. Die Antwort des Wirtschaftsprüfers sorgt für ein Bundesliga-Beben: „Lehnen die Gläubiger den Sanierungsplan ab, war's das. Dann ist Schluss. " Die danach präsentierte Horrorbilanz übertrifft selbst die schlimmsten Befürchtungen. Mit einem Mal wird deutlich, in welch prekäre Lage die damaligen Führungskräfte Gerd Niebaum und Michael Meier den Verein mit ihrer Großmannssucht manövriert haben! Demnach sind bereits knapp 80 Prozent des von den Aktionären gezahlten Geldes in Höhe von 179,5 Millionen Euro durch Verluste aufgezehrt.

Zudem rechnet der BVB für das Geschäftsjahr mit einem Verlust von rund 68 Millionen Euro. Einen Tag später einigen sich die Gläubiger des BVB auf einen ersten Kompromiss zur Sanierung des Vereins. 800 Gesellschafter des Immobilienfonds Molsiris. Der Revierklub hat sein Stadion zwei Jahre zuvor zu 94 Prozent an den Fonds veräußert und dann für 16 Millionen Euro jährlich zurückgeleast. Das Westfalenstadion ist zum Millionengrab geworden. Der Sanierungsplan sieht einen Teilrückkauf des Stadions und die Stundung der Mietzahlungen für die Jahre 2005 und 2006 vor. Ermöglicht werden sollte das durch einen von den Anlegern freigegebenen Zugriff auf ein Depot in Höhe von knapp 52 Millionen Euro, das ursprünglich für den geplanten Rückerwerb des Stadions im Jahr 2017 festgelegt ist. Der Plan geht auf. Sportlich gesehen wird in diesen mageren Jahren die Verpflichtung eines Trainers den leck geschlagenen Revierklub neu beseelen: Am 1. Juli 2008 übernimmt Jürgen Norbert Klopp von Thomas Doll, der mit dem Pokalfinale 2008 den einzigen Teilerfolg dieser Phase verbuchen kann, als neuer Coach. Nach Platz vier im Spieljahr 2009/10 führt „Kloppo", den der HSV wegen seiner zerrissenen Jeans im Vorstellungsgespräch nicht will (so sagt es die Legende), den BVB 2011 zur Deutschen Meisterschaft, 2012 zum ersten „Double" der Vereinsgeschichte mit Meisterschaft und Pokalsieg und 2013 ins Champions-League-Finale.

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