Akte Borussia Dortmund
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Das Revierderby

Schalke und der BVB waren befreundet — bis in die 70er

Schalke trug von 1934 bis 1943 Meisterschaftsspiele in der Dortmunder Roten Erde aus, und Ernst Kuzorra half dem BVB beim Aufstieg in die Gauliga.

Schalke und Dortmund – Das waren sogar mal Freunde! Das Revierderby lebt als hochgejazztes Duell zwischen „Lüdenscheid-Nord" (Dortmund) und „Herne-West" (Schalke) vor allem von der Folklore – und unter anderem von dem Irrglauben, dass beide Vereine seit dem fußballerischen Urknall miteinander verfeindet sind. \n\nDortmund spielt in seinen Gründerjahren in blau-weiß, bis irgendjemand auf die Idee kommt, die Farben zu ändern. Dem unmittelbar vor und während des 2. Weltkriegs erfolgreichsten deutschen Fußballverein Schalke 04 jubeln auch in Dortmund die Maßen zu. Als Schalke nach einem 2:1 gegen den 1. \n\nAn eine LKW-Fahrt rund um den Borsigplatz mit dem BVB denken da allenfalls Fantasten unter den Fans! Der BVB krebst zu dieser Zeit in der Kreisklasse Dortmund-Herne herum, Schalke ist der dominierende Westverein. „Es herrschte eine tiefe Sympathie zwischen beiden Vereinen", sagt der ehemalige BVB-Sprecher und Archivar, Gerd Kolbe. Dabei hatten die Klubs in den guten alten Freundschaftszeiten immer fest zusammengehalten. Zum Beispiel zwischen 1934 und 1943, als Schalke einen Austragungsort für seine Vorrundenspiele um die deutsche Meisterschaft sucht und im Dortmunder Stadion Rote Erde fündig wird. „Es war vom Deutschen Fußball-Bund vorgegeben worden, dass bestimmte Spiele in anderen Stadien gespielt werden mussten. Und der BVB hat dann für Schalke diese Spiele organisiert", erklärt Kolbe.

Oder Anfang der 30-er Jahre, als Borussia ohne Erfolg und ohne Trainer dastand. „Da wurde Stürmer August Lenz - der erste BVB- Nationalspieler - vom Verein beauftragt, mit den Schalkern zu reden, mit denen er sich angefreundet hatte. " Ergebnis: Erst Schalke-Idol Ernst Kuzorra und dann sein Schwager und Ex-Schalke-Stürmer Fritz Thelen gehen als erste professionelle Trainer in die BVB-Geschichte ein. Sie führen den keineswegs feindlichen Nachbarn 1936 in die erste Liga, die damals Gauliga Westfalen heißt. " Im November 1943 gibt es dann nach reihenweisen Packungen den ersten Sieg über den bislang dominierenden Rivalen - und Lenz erzielt das 1:0-Siegtor. „Es gab natürlich immer eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Vereinen. Aber erst in den 70-er Jahren begann sich die Fanszene zu radikalisieren", sagt Kolbe. Es folgen Fan- Ausschreitungen und Beschimpfungen von Spielern, die zwischen den Klubs wechseln. Der Begriff des „Judas", er scheint für das Revier-Derby erfunden zu sein. Allein seit Beginn der Bundesliga-Ära 1963 haben mehr als 20 Spieler diesen Schritt gewagt, mal mit, mal ohne dazwischen noch für einen anderen Verein gespielt zu haben, u. a. Rüdiger „Abi" Abramczik, Steffen Freund, Reinhard „Stan" Libuda, Andreas Möller, Rolf „Rolli" Rüssmann und Jürgen „Kobra" Wegmann.

Adi Preissler für den BVB und Günter Karnhof für Schalke 04 im Revierderby am 5. Januar 1958
Adi Preissler für den BVB und Günter Karnhof für S04 am 05.01.1958 im Revierderby. Foto: Imago Images